Nachstehend veröffentlichen wir das Antwortschreiben von Herrn Drobinski auf unseren offenen Brief vom 17.02.2014.

"Sehr geehrter Herr Schürer,

Sie haben mir am 17. Februar einen Brief geschrieben, den Sie zeitgleich auf Ihrer Homepage veröffentlicht und an mehrere andere Empfänger geschickt haben. Sie hatten mich damals um eine Antwort gebeten, ich hatte Ihnen zugesagt, sie zu schreiben, wenn eine Entscheidung in der Sache Franz-Peter Tebartz-van Elst gefallen ist. Das tue ich hiermit.

 

Nun, Papst Franziskus hat das Rücktrittsangebot des Limburger Bischofs angenommen, der Prüfbericht der Deutschgen Bischofskonferenz liegt vor und kann im Internet genauso eingesehen werden wie die Antwort des Bischofs darauf. Wenn Sie nun meine Informationen vom Februar mit dem nun veröffentlichten Prüfbericht vergleichen, werden Sie feststellen: Was ich damals geschrieben habe, stimmt. Der Prüfbericht kritisiert, dass Bischof Tebartz-van Elst des Vermögens des St-Georgs-Werks nutzte, um den Bau seiner Residenz zu finanzieren; dies sei gegen die Intention der Gründer des Werks und auch gegen die Satzung (der Bischof sieht das anders) gerichtet gewesen. Er beschreibt das System der Vertuschung und Geheimhaltung, das in Limburg aufgebaut wurde, er listet die teuren Sonderwünsche des Bischofs auf, er verweist auf die Protokolle, die der Bischof unterschrieben hat,  er lässt auch jene schlecht aussehen, die den Bischof von Limburg hätten beraten und kontrollieren sollen. Meine Informationen waren gut. Ich musste sie zum Schutz der verschiedenen Quellen in den Konjunktiv setzen, das ist, da haben Sie Recht, immer ein heikles Verfahren. Andererseits bin ich als Journalist auch verpflichtet, relevante Informationen, von denen ich Kenntnis erhalte, zu veröffentlichen, es sei denn, es stünden höhere Güter wie der Persönlichkeitsschutz dem entgegen. Das wäre der Fall gewesen, hätte ich zum Beispiel Bilder oder Informationen aus dem Privatleben des Bischofs veröffentlicht. In diesem Fall aber ging es um einen allseits bekannten und umstrittenen Bau und um das Amtsverständnis des Bischofs. Es ging auch nicht darum, dem Bischof eine Straftat anzuhängen, für die er noch nicht verurteilt ist (dann verwenden wir das Wort „mutmaßlich“), im Gegenteil: Ich habe explizit darauf hingewiesen, dass wahrscheinlich die Vorwürfe der Prüfkommission strafrechtlich nicht relevant sind (das glaube ich jetzt auch noch, aber da gibt es inzwischen Zweifel bei Juristen). Auf  Ihre damals rhetorisch gemeinte Frage, ob mein Text saubere journalistische Arbeit war, kann ich nur antworten: Ja.

Es ging Ihnen wahrscheinlich auch mehr um das, was gerade viele Katholiken, die den inhaltlichen Aussagen von Bischof Tebartz-van Elst nahe stehen, als Medienhetze empfanden und die auch mit drastischen, manchmal diffamierenden Worten kritisierten. Was ist da passiert? Zunächst einmal haben die Kollegen (ich gehörte ja in diesem Fall gar nicht zu denen, die eine Exklusivmeldung nach der anderen veröffentlichen konnten) ihre Arbeit gemacht: Es kam ihnen etwas merkwürdig vor, sie sind der Sache auf den Grund gegangen, sie haben recherchiert – und im Grunde das meiste dessen herausgefunden, was nun im Prüfbericht der Bischofskonferenz steht. Das ist die einfache Geschichte, aber natürlich längst nicht die einzige.  Ein weiterer Strang lautet: Es wurde zunehmend offenbar, dass Franz-Peter Tebartz-van Elst strukturell unwahrhaftig ist, dass bei ihm die Lüge System hat, ihre eigen Welt baut und es ihm deshalb auch unmöglich ist, das Geschehene wirklich zu bereuen. Nehmen Sie die Geschichte mit den Koi-Karpfen, eine lächerliche Kleinigkeit im Grunde. Als ein Kollege über die Fische berichtete, gab es ein empörtes Dementi der Pressestelle: Goldfische schwämmen da im Teich! Da sehe man mal wieder, wie die Presse aus der Mücke den Elefanten und aus dem Goldfisch den Koi macht! Nur, so steht es im Prüfbericht: Es waren Kois. Und ein vertrauenswürdiger Mensch hat mir die Lösung erzählt: Die Tiere wurden umgeteicht. Es ist ein kleines Beispiel, in dem sich das Große zeigt. Es darf nichts zugegeben werden. Es darf keine Fehler geben. Und im Kampf ums Rechthaben sind einige Mittel recht. So war es bei den Baukosten, wo nach dem Lajolo-Besuch Transparenz versprochen wurde, in internen Sitzungen aber  Geheimhaltung beschworen. So war es beim Streit mit dem Spiegel um die Frage, auf welchem Sessel denn nun der Bischof nach Indien geflogen ist.

Was passiert, wenn Journalisten so etwas merken? Sie glauben nichts mehr, sie werden hartnäckig, sie veröffentlichen ihr Misstrauen. Was geschieht in der Öffentlichkeit? Sie wird misstrauisch, sie glaubt nichts mehr, und irgendwann ist sie gnadenlos. Die Reuelosigkeit des Bischofs - ausgerechnet eines Bischofs, was für mich zeigt, dass Tebartz-van Elst ein tiefes geistliches Problem hat -  bewirkt die Gnadenlosigkeit der Öffentlichkeit.  Es waren ja weniger die Journalisten, die hier manchmal die Maßstäbe vergaßen, bis auf zu Recht kritisierte und gerügte Ausnahmen: Schauen Sie, was sich in den Tiefen des Netzes abgespielt hat. Aber es fehlen in dieser Öffentlichkeit die Instrumente von Reue und Vergebung, das ist das, was den Hype um Tebartz-van Elst mit dem Hype um Christian Wulf verbindet – wenn Menschen das Strafgericht Gottes spielen wollen, spielen sie das meistens schlecht. Nehmen Sie dann noch das generell gewachsene (und natürlich nicht unbedingt faire) Misstrauen gegenüber der katholischen Kirche, dann haben Sie die Gründe für den Medien-Hype der vergangenen Monate. Ein Hype war es, der sich teils aus sich selber ernährte, aber auch vom Gegenstand des Hypes immer neue Nahrung erhielt. Keine Kampagne – wer das meint, kennt den Journalismus schlecht. Und der Ausgangspunkt war und ist ein Bischof, der einfach immer weiter die Wahrheit zu seinen Gunsten umstrukturiert. Nachdem Tebart-van Elst am Tag zuvor noch den Generalvikar als den Hauptschuldigen am Desaster hingestellt hat (welch ein Verständnis von Leitung und Verantwortung!), hat er sich am Freitag dafür entschuldigt, dass er Vertrauen zerstört und Menschen enttäuscht hat. Kaum steht das im Blatt, macht die nächste Meldung die Runde: der Bischof hat sich, da hatte ihn der Papst schon in die Auszeit geschickt, noch schnell einen 5er BMW mit der Ausstattung des 7ers bestellt. Was da die Entschuldigung noch wert?

Es ist vorbei, hoffentlich, Gott sei Dank. Papst Franziskus hat richtig entschieden und wird Franz-Peter Tebartz-van Elst hoffentlich auch künftig nicht mehr mit der Leitung eines Bistums betrauen. Was hat der Mann alles zerstört: Ein Bistum, in dem sie noch ein paar Jahre werden Scherben kehren müssen. So viel Glaube, Hoffnung und Liebe so viele Katholiken in ganz Deutschland. Er hat die Menschen im Regen stehen lassen, die sich bis zum Schluss für ihn eingesetzt haben, weil sie glaubten, dass ein Mann des Glaubens doch so nicht handelt. Er hat seiner Kirche geschadet und dem ganzen Land, das ein glaubwürdiges Zeugnis der Christen bräuchte. Ich habe keinen Triumph empfunden angesichts des Rücktritts. Ich habe persönlich nichts gegen Bischof Tebartz-van Elst, unsere wenigen Begegnungen verliefen nicht unangenehm, ich wünsche ihm, dass er zu einem wahrhaft guten Leben findet. Aber dass er mit seinem Handeln seine Kirche, ja seinen Glauben verraten hat, den Vorwurf kann ich ihm nicht ersparen.

Lieber Herr Schürer, das ist jetzt sehr lang und auch persönlich geworden, auch, weil ich Ihren Brief als sehr kritisch, aber nicht ehrverletzend empfand. Sie hatten zugesagt, dass Sie meine Antwort auf Ihrer Homepage veröffentlichen würden, ich bitte darum. Sie haben ja auch sonst noch gar nichts über den Rücktritt geschrieben.

Ihnen herzliche Grüße,

Matthias Drobinski"


 

Willkommen auf unserer Homepage!

Der Durchblick e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Verkündigung des katholischen Glaubens sowie für das Lebensrecht einsetzt.

 

Zitat des Moments

»Entweder war – und ist – dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Wir können ihn als Geisteskranken einsperren, wir können ihn verachten oder als Dämon töten. Oder wir können ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber wir können ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. «

Der englische Autor Clive Staples Lewis (1898-1963) über Jesus Christus