Kundgebung gegen Gentests in Konstanz

Ein Beitrag von Durchblick/CDL

Gegen die Diskriminierung behinderter Menschen haben am 16. Juli in Konstanz etwa 100 Personen demonstriert. Vor dem Firmensitz des Gentest-Unternehmens „Lifecodexx“ versammelten sie sich auf Einladung der Christdemokraten für das Leben (CDL) Baden-Württemberg zu einer Kundgebung gegen einen Gentest, den die Firma verkauft. Unter den Protestierenden waren auch Menschen mit Down-Syndrom. Einige von ihnen kamen während der Kundgebung zu Wort.

Der Protest richtete sich konkret gegen die Vertreibung eines Gentests, der vor allem der Früherkennung von Kindern mit Down Syndrom dient. Lifecodexx ist der erste deutsche Anbieter derartiger Tests, mittlerweile werden sie von weiteren bundesdeutschen Unternehmen vertrieben.

Mit Hilfe dieser Produkte –– kann bereits ab der 10. Schwangerschaftswoche gezielt nach Gendefekten bei ungeborenen Kindern gesucht werden. Die Tests sind vor allem auf die Identifikation von Trisomie 21, zunehmend aber auch auf andere Genomveränderungen gerichtet. In einer Stellungnahme des Nationalen Ethikrates werden diese Testverfahren als hoch gefährliche Selektionsinstrumente bezeichnet, die die Einstellung zur Schwangerschaft und zu Kindern grundlegend negativ verändern werde.

Wie die Bundesvorsitzende der CDL, Mechthild Löhr, ausführte, wachse auf diese Weise der Druck auf jede Schwangere, bei Feststellung einer Genveränderung, z.B. bei Down Syndrom, noch schnell bis zur 12. Woche einer vermeintlich unkomplizierten, frühen Abtreibung des Kindes zuzustimmen. Aus Angst, dass ein Kind die gesundheitlichen Erwartungen nicht erfüllt, nehme ohnehin schon die Zahl von Spätabtreibungen stetig zu. Es komme immer häufiger zu einer fatalen „Schwangerschaft auf Probe“, und das Kind werde abgetrieben, sobald ein möglicher Gendefekt ausgemacht ist. Mit dem Argument „mehr Sicherheit und Selbstbestimmung für die Frau“ werde in Wirklichkeit ständig mehr Druck auf sie ausgeübt, so Löhr.

Eine frühe und intensive Suche nach möglichen Gendefekten fördere systematisch die Intoleranz und Erbarmungslosigkeit gegenüber Menschen mit Behinderungen. Was harmlos als „Medizinprodukt“ und für die Frau ungefährlicher Bluttest verkauft werde, bedeute in der Realität bereits zwei Jahre nach seiner Einführung ein flächendeckendes Screening-Netz, dessen Angebot gezielt auf die Identifikation und Selektion von Menschen mit Behinderung abziele. Immer häufiger erlebten Frauen bereits jetzt, dass sie scharfer Kritik ausgesetzt sind, wenn sie ein behindertes Kind zur Welt bringen. Auch seitens der Ärzte steige die Bereitschaft, u.a. aus Angst vor Haftung zu einer Abtreibung zu raten, wenn genetische „Standardabweichungen“ erkannt werden. So ziehe Schritt für Schritt eine neue intolerante, aber wirksame Form von Eugenik in die Gesellschaft ein.

Gemeinsam mit vielen betroffenen Familien und mit Behindertenorganisationen sehen die Christdemokraten für das Leben (CDL) in dieser Entwicklung eine neue und höchst gefährliche Form von radikaler Diskriminierung einer ganzen Bevölkerungsgruppe, der ihr Recht zu leben abgesprochen wird.

Der Direktor einer Schule für behinderte Kinder wies auf die tiefe Schizophrenie hin, die darin bestehe, einerseits mit allem Engagement die Inklusion behinderter Menschen zu fordern, andererseits zuzulassen, dass diese mittels eines Gentests schon im Mutterleib „ausgemerzt“ würden. Der Baden-Württembergische CDL-Landesvorsitzende Josef Dichgans hob hervor, dass die Zulassung des Unrechts durch den liberalen Staat insofern gefährlicher wirke als das angeordnete Unrecht eines Diktators, weil so die Massen zu Tätern würden, der Staat aber gleichwohl eine heimtückische Verantwortung trage.

Für viele Teilnehmer der Veranstaltung war sehr eindrucksvoll, als Menschen mit Down-Syndrom aus ihrem alltäglichen Leben erzählten. Dafür erhielten sie von den Anwesenden besonders viel Zustimmung und Applaus.

Holm Schneider, Leiter der Abteilung Molekulare Pädiatrie am Universitätsklinikum Erlangen, u.a. Autor des im Neufeld Verlag erschienenen Buches „Was soll aus diesem Kind bloß werden? 7 Lebensläufe von Menschen mit Down-Syndrom“ ergänzte die Beiträge der Betroffenen, indem er über die Lebenswirklichkeit der Menschen mit Down-Syndrom berichtete. Jene gewännen in ihrer besonderen feinen und fröhlichen Art nicht nur die Herzen ihrer Mütter und Familien, sondern die all derer, die ihnen begegneten, so Holm Schneider.

Die Kundgebung in Konstanz war bereits die dritte Protestveranstaltung gegen den Gentest der Firma Lifecodexx.


 

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Zitat des Moments

»Zölibat ist Askese, und Askese ist etwas, das für unsere Gesellschaft unerträglich ist, das absolut Nicht-Säkularisierbare. Es gibt zwar alle möglichen Formen von Konsum und Befriedigung, aber Askese, also der freiwillige Verzicht auf Möglichkeiten, ist für die offizielle Selbstbeschreibung einer säkularen bürgerlichen Gesellschaft ein Skandal. Die Leute wittern, daß hinter der Askese Macht steckt, und das reizt sie bis aufs Blut.«

Der Berliner Soziologe und Medientheoretiker Norbert Bolz im Interview mit M. Stallknecht, »Die Tagespost« vom 22.05. 10.