Weltweit solidarisieren sich Menschen mit den Opfern der Pariser Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Es ist gut und richtig, diesen Terroranschlag vom 7. Januar 2014 zu verurteilen und mit Demonstrationen und Schweigemärschen gegen diesen barbarischen Akt der islamistisch motivierten Täter ein Zeichen zu setzen. Der Vorfall hat gezeigt, wozu radikalisierte Moslems fähig sind und zeigt den Ernst der Lage auf. Die große Publicity, die den Terroristen nun zuteil wird, wird diese vermutlich in ihrem Tun bestätigen. Die "Helden" der IS werden dadurch aufgewertet und die Ereignisse in Paris mit ihrer weltweiten Wahrnehmung dürften ein Motivationsschub für Terroristen in Ausbildung sein. Bleibt zu hoffen, dass Politiker erkennen, was die Stunde geschlagen hat, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen, zukünftig solche Anschläge zu verhindern.

Die Solidaritätsbekundungen "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) sind eine Möglichkeit, Anteilnahme zu zeigen. Den radikalen Moslems wird dies aber vor allem eine Bestätigung ihrer Überzeugung sein, dass die westliche Welt per se zu bekämpfen ist.
Als Christin möchte ich mich von jeder Art radikalisierter Religiosität ausdrücklich distanzieren. Ich distanziere mich aber auch von Journalisten und Karikaturisten, denen nichts mehr heilig ist auf dieser Welt. Die Islamisten scheinen sich diese Art von Meinungsfreiheit nicht länger gefallen zu lassen. Sie antworten auf blasphemische satirische Provokationen mit grausamsten Konsequenzen. Das ist in jedem Fall zu verurteilen. Der Zweck heiligt nie die Mittel.


Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Art und Weise der gängigen Satire überdacht wird. Sicher, über Geschmack lässt sich streiten. Meinungsfreiheit ist angeblich uneingeschränkt zu bejahen. Dennoch macht der Ton die Musik. Der Schriftsteller Salman Rushdie, der sich selbst immer wieder Kritik und Zensur seiner Werke ausgesetzt sieht, schrieb anlässlich des Anschlags auf Charlie Hebdo in einer Presseerklärung: "Ich stehe hinter Charlie Hebdo, so wie wir alle es tun müssen, um die Kunst der Satire zu verteidigen, die stets eine Kraft für die Freiheit und gegen die Tyrannei, Unehrlichkeit und Dummheit war. ‚Respekt vor der Religion‘ ist zu einer verschlüsselten Phrase mit der Bedeutung ‚Angst vor der Religion‘ geworden. Religionen, wie alle anderen Ideen, verdienen Kritik, Satire, und, jawohl, unsere angstfreie Respektlosigkeit.“
In zwei Punkten möchte ich Herrn Rushdie widersprechen: Wir müssen nicht uneingeschränkt die Kunst der Satire verteidigen, denn auch Kunst hat ihre Grenzen, vor allem wenn sie ehrverletzend, blasphemisch und menschenverachtend ist. Kritik an Religionen muß sicher zulässig sein, aber Respektlosigkeit geht mir zu weit.

Ein Blick auf die Arbeiten der Redaktion von Charlie Hebdo zeigt, dass sich darunter Werke befinden, die die Grenzen des Zumutbaren deutlich überschreiten. Natürlich ist auch das Geschmacks- und Ansichtssache. Wer jedoch bekennt "Je suis Charlie", der bekennt sich auch zu den Arbeiten der Redakteure und setzt somit seine eigene Unterschrift darunter.
Ich persönlich möchte mich nicht mit der Pariser Satirezeitschrift solidarisieren. Ich distanziere mich nicht nur von Terroranschlägen, sondern auch von beleidigender und ehrverletzender Satire.
Darum sage ich unter Berufung auf die Meinungsfreiheit: "Moi, je ne suis pas Charlie!" - Ich bin nicht Charlie!


 

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Zitat des Moments

»Am Kreuz.«

Der Philosoph Robert Spaemann auf die Frage, wo Gott beim Holocaust war. (»Der Spiegel«, 11.09.2006)