v.l.n.r.: Dr. Fontanari (SFW), Dr. Neuhaus (SFW), Bernhard Kaster MdB, Herr Lohmann (BVL), Herr Walter (EAK), Herr Kramer (Durchblick e.V.)Der Durchblick e.V. hat sich am 17. Juni als Teil einer Delegation der Stiftung für Familienwerte (SFW) im Bundestag mit familienpolitischen Spitzenpolitikern der Union getroffen. In lockerer Atmosphäre tauschten sich fünf Vertreter wertkonservativer Initiativen und Vereine mit Nadine Schön (CDU) und Paul Lehrieder (CSU) über aktuelle Trends der Familienpolitik aus. Der Besuch wurde von Bernhard Kaster, dem parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-/CSU-Fraktion, vermittelt. An den Gesprächen nahm zeitweise auch Ursula Groden-Kranich (CDU) teil, die ebenfalls im Familienausschuss sitzt.

Nadine Schön, die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion für die Themen Familienpolitik und Digitalisierung informierte über interessante Schnittmengen der beiden Politikbereiche, etwa beim Kinderschutz im Internet und bei der Wertevermittlung. Die Runde diskutierte die Frage, wie die Familienfreundlichkeit der Gesellschaft erhöht werden kann. Es gibt vielversprechende Ansätze, verlorengegangenes Gemeinschaftsgefühl über digitale Angebote wieder zu stärken. Schön nannte als Beispiel etwa das Projekt der Bohnentaler Muske(l)tiere zur gesellschaftlichen Dorfentwicklung, bei dem ehrenamtliche Helfer über einen Telefondienst koordiniert werden. Es gab konkrete Gedankenanregungen für Fördermöglichkeiten für gute Angebote der Stiftung für Familienwerte und ihrer Partner.

Die Runde sprach auch über die aktuelle Diskussion zur Frage der Öffnung der Ehe "für alle". Nadine Schön machte ihre Position deutlich. Sie wolle an der Ehe als herausgehobenes und staatlich privilegiertes Institut unbedingt festhalten und sieht darin einen markanten Unterschied zu Positionen in den linken Parteien, die der Ehe eine geringere Bedeutung beimessen. Aktuell wird z.B. gerade diskutiert, ob die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung auch für Nichtverheiratete geöffnet werden soll, was die Unionsvertreter ablehnen. Frau Schön befürwortet eine Öffnung des Eheinstituts für homosexuelle Paare, inklusive des Adoptionsrechts. Die lebenslange Verantwortungsübernahme füreinander nannte sie dabei als wichtigstes Kriterium. Sie verwies auf ihren Fraktionskollegen Jens Spahn und dessen Partner, bei denen sie sich gut vorstellen könne, dass sie gemeinsam ein Kind erziehen. Dem wurde aus der Runde entgegengehalten, dass die mögliche persönliche Eignung oder Nichteignung einzelner konkreter Paare ein sehr wackliges Kriterium darstelle. Auch die lebenslange Verantwortungsübernahme habe als Kriterium ihre Tücken, denn die gibt es in sehr vielen menschlichen Beziehungen, etwa in Ordensgemeinschaften oder zwischen Geschwistern usw.

Frau Schön möchte das Thema weiter bedenken und in der Partei diskutieren, in der es bekanntlich mehrheitlich andere Ansichten zur Frage der Eheöffnung gibt, etwa bei der CDU-Ministerpräsidentin von Nadine Schöns Heimat, dem Saarland, Frau Kramp-Karrenbauer sowie bei Volker Kauder, den Frau Schön als Fraktionsvize vertritt. Große Übereinstimmung herrschte in der Runde bei der Beurteilung der hasserfüllten Angriffe auf Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer und andere Politiker, die die "Ehe für alle" kritisch sehen. Sie als "Ewiggestrige" und schlimmeres zu verunglimpfen und in so massiver Weise anzugehen, zeugt nicht von gutem Stil und "geht gar nicht", fand auch Nadine Schön. In diesen wichtigen Fragen ist eine demokratische, sachorientierte Diskussionskultur von Nöten, die um die Fragen ringt, offen für Argumente und Gegenargumente ist und nicht in Hetze, Häme und Verurteilung der Andersdenkenden verfällt.

Ein Mitglied der Besuchergruppe stellte auf der Basis statistischer Daten von Sozialversicherungen konkrete Konzepte zur Verbesserung der Familiengerechtigkeit bei Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung vor, die von Frau Schön sehr interessiert aufgenommen wurden. Diese Ausführungen verwiesen auch auf einen ungünstigen psychologischen Effekt für Familien. Denn Familien sind die Träger des gesamten Sozialssystems, fühlen sich aufgrund der konkreten Ausgestaltung des Systems aber oft mehr als Bittsteller und Empfänger von Leistungen.

Paul Lehrieder (CSU) gab der Besuchergruppe einen spannenden Einblick in die Fülle von Themen, die ein Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu koordinieren und zu bearbeiten hat. Das reicht von den Interessen geschiedener Väter, denen der Zugang zu ihren Kindern vorenthalten wird, über die Sorgen alleinerziehender Mütter bis hin zur Frage der Unterbringung minderjähriger Asylbewerber bei ihren Familien und gesetzlichen Regelungen zur Prostitution. Lehrieder, der selbst als Bürgermeister ca. 150 Paare getraut hat, sprach sich klar für ein Ehe- und Familienbild auf christlicher Grundlage aus.

Der angeregte Austausch zwischen der Besuchergruppe und Unionspolitikern fand seine Fortsetzung beim Mittagessen und bei einem gemeinsamen Umtrunk am Nachmittag. Die Besucher hatten insgesamt den Eindruck, dass sie viele bisher weniger beachtete Gesichtspunkte und Argumente vermitteln konnten. Zum Abschluß besuchten die Teilnehmer die imposante Reichstagskuppel und wohnten der Plenardebatte „17. Juni 1953 – Für Freiheit, Recht und Einheit“ bei. Es war ein runder und gelungener familienpolitischer Impulstag, der bald eine Wiederholung finden soll.

 


 

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Zitat des Moments

»Wirksamer als die Abtötung, die man nach eigener Wahl übt, ist das Kreuz, das Gott einem auferlegt, äußerlich und innerlich.«

Edith Stein (1891-1942)