Unter dem Motto „Hören! Was Familien sagen“ versammelten sich etwas mehr als hundert katholische Laien am 18. Juni in Berlin. Die Tagungsgäste, in der Mehrzahl Vertreter von Organisationen und Verbänden aus dem weiten Spektrum der Kirche, folgten der Einladung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz.

In Anwesenheit von Erzbischof Heiner Koch, dem Familienbischof der DBK, und dem ZdK-Präsidenten, Alois Glück, diskutierten die Teilnehmer über die Bedürfnisse der Familien und versuchten Anregungen und Erwartungen an die Kirche zu formulieren. Die Arbeit in verschiedenen Tischgruppen wechselte sich mit einer Reihe von Lebenszeugnissen ab, die als Impulse für die Gruppenarbeit dienen sollten. Gehört wurden dabei eine verheiratete und voll berufstätige Mutter von zwei Kindern, ein geschiedener und wiederverheirateter Familienvater, eine evangelische Frau, die mit einem Katholiken verheiratet ist, eine Mutter von drei Kindern, die mit einem Atheisten zusammenlebt, eine Frau, die mit einem früheren Kaplan verheiratet ist, ein schwuler Religionslehrer, der Queer-Gottesdienste organisiert und eine alleinerziehende Gemeindereferentin sowie ein jugendlicher Student der katholischen Theologie, der die Aussagen der Kirche zu Moral und Ethik als durchgehend "unterkomplex" bewertete.

Die Befragung des Plenums durch die Tagungsleitung förderte zum Teil sehr unterschiedliche Einstellungen und Bedürfnisse zu Tage. An vielen Tischen wurde darüber gesprochen, wie die Kirche mit den verschiedenen Lebensentwürfen der Menschen umgehen soll. Manche forderten die Anerkennung und Würdigung verschiedener Lebensentwürfe durch die Kirche, andere empfahlen der Kirche mehr noch für die Schönheit der Ehe zu werben. Auch der Wunsch nach einer besseren Nutzung und Auslastung der Infrastruktur gehörte zu den Anregungen. Das Bereitstellen von Räumen, die Öffnung von Kirchen, die Förderung von Familienkreisen könne den Laien und Familien in ihrem Glaubensleben helfen. Die Teilnahme von Berufstätigen an kirchlichen Angeboten erfordere es zudem, auch auf deren Arbeitszeiten Rücksicht zu nehmen. Als Arbeitgeber solle die Kirche selbst auf familienfreundliche Beschäftigungsverhältnisse achten und nicht ohne Not zu zeitlich befristeten Verträgen greifen. Einige forderten die Kirche auf, nicht an ihren Idealen hängen zu bleiben und die Bereitschaft zu haben, Grenzen zu überschreiten. Andere wünschten sich einfach mehr Offenheit und aufeinander zu gehen in den Gemeinden, eine Willkommenskultur, einen besseren menschlichen Umgang, eine moderne Kommunikation und eine verbesserte Katechese für die Gläubigen.

Am Ende der Veranstaltung dankte Alois Glück den Impulsgebern für ihre Lebenszeugnisse und sprach von einer Sternstunde angstfreier Kommunikation im Innenraum der Kirche. Die Aufgabe der Kirche sei es, zu orientieren ohne auszugrenzen. Wer dem Leitbild der Kirche nicht folgen wolle, dürfe deshalb nicht das Gefühl haben, ausgegrenzt zu werden. In der Ehe würden wichtige Werte geachtet, die auch in anderen Formen gemeinschaftlichen Lebens gelebt würden: „das unverbrüchliche Ja zu der anderen Person, die stete Bereitschaft zur Versöhnung sowie die Aussicht auf eine fruchtbare Beziehung im Austausch der Gaben der Person.“ Diese Werte seien letztlich nicht deshalb wichtig, weil sie christlich sind, sondern weil sie ein „gelingendes Leben“ ermöglichen. Das Scheitern von Ehen und Beziehungen liege häufig in der realen Lebenssituation begründet und nicht im mangelnden Willen der Partner. Der wichtigste Beitrag der kirchlichen Gemeinschaft sei es deshalb, im politischen und gesellschaftlichen Engagement Wege zu entwickeln, die die Lebensbedingungen für Lebenspartnerschaften und Ehen verbessern.

Erzbischof Heiner Koch wies zum Abschluss auf die Schwierigkeiten einer Diskussion hin, in der zentrale Begriffe nicht mehr einheitlich verstanden würden. Die Kirche könne die Ehe nur vor dem Hintergrund der Schöpfungs- und Erlösungswirklichkeit des Menschen verstehen, im Kontext von Berufung und Nachfolge und nicht allein als soziale Institution. An dieser Stelle müsse weiter gerungen werden. Zu einem Dialog gäbe es dabei keine Alternative. Mit Blick auf die Lebenswirklichkeit der deutschen Katholiken sprach Erzbischof Koch davon, dass etwas nicht stimmen könne, wenn Lehre und Praxis soweit auseinanderklafften. Die Ursachen dafür seien in der Tiefe zu ergründen, sowohl menschlich, theologisch als auch seelsorgerisch. Koch warnte davor, zu glauben, die Familiensynode werde einen Schlusspunkt unter die Debatte setzen können. Dem stünde schon die sich beständig wandelnde Lebenswirklichkeit entgegen. Der Erzbischof dankte ausdrücklich auch denen, die mit ihrem Lebensentwurf im Widerspruch zur Kirche stehen und dennoch in ihr ausharren. Er mahnte, die Kirche sei diesen Menschen auch eine Antwort schuldig wie sie gut in der Kirche leben könnten.


 

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Zitat des Moments

»Darin unterscheidet sich das Christentum zum Beispiel vom Islam, dass nicht ein Buch, zum Beispiel der Koran, sondern eine lebende Person, der Auferstandene, der Mittelpunkt ist. Deshalb gehört auf den Altar nicht in erster Linie die Bibel, sondern an den Altar gehört der Priester.«

Der Theologe Klaus Berger in der »Tagespost« vom 24.12.2009