Thomas SchührerIm Wochenkommentar von Radio Horeb behandelt Thomas Schührer den Umgang von Bürgern und Christen mit den Medien.

Der Durchblick dokumentiert eine Transkription des Kommentars, den Sie hier im Original nachhören können. 

 

Liebe Hörerinnen und Hörer von Radio Horeb,

Sicher haben Sie mitbekommen, dass es in Irland im Mai eine Volksabstimmung zur Einführung der sogenannten Homo-Ehe gab. Diese Nachricht wurde über Wochen auf allen Kanälen wiederholt.

Aber haben Sie auch mitbekommen, dass es nur wenig später in Österreich ebenfalls eine Entscheidung zur Homo-Ehe gab? Das Parlament hatte einen Antrag zu ihrer Einführung am 18. Juni mit großer Mehrheit abgelehnt. Davon aber war wenig bis nichts zu hören in unseren Medien.

Es handelte sich um zwei miteinander durchaus vergleichbare Ereignisse. Es waren nationale Entscheidungen zum gleichen politischen Thema in zwei ungefähr gleich großen, kulturell katholisch geprägten Ländern. Aber sie wurden von den Medien nicht in gleicher Weise gewürdigt.

Ein ähnliches Muster ließ sich bei der Berichterstattung über Mißbrauchsskandale beobachten. Im Jahr 2010 waren die Mißbrauchsskandale der katholischen Kirche monatelang Top-Thema auf allen Kanälen. Die jüngst aufgedeckten Mißbrauchsskandale der grünen Partei waren den meisten Medien hingegen nur wenige Meldungen wert und verschwanden bald wieder aus dem Fokus der Öffentlichkeit.

Die Reihe der Beispiele ließe sich mühelos fortsetzen.

Diese Einseitigkeiten in der Berichterstattung nähren bei vielen Bürgern das Gefühl, nicht mehr objektiv informiert zu werden. Das Vertrauen in die Medien nimmt rapide ab.
Viele wichtige Informationen findet man fast nur noch im Internet. Auch wenn das Internet Gefahren birgt, so kann man doch sagen, daß das Internet das Meinungsmonopol der öffentlich-rechtlichen Medien und der großen Verlagshäuser aufgebrochen hat. Ich finde das gut, denn Demokratie lebt von Meinungsvielfalt.

Das wird in Zukunft noch wichtiger werden, denn in vielen Redaktionen scheint sich ein negatives, zum Teil aggressiv feindliches Klima gegen bekennende Christen immer stärker zu verbreiten. Das geht dann bis hin zu medialen Rufmordkampagnen.

Im Internet können viele Dinge richtig gestellt werden. So entstand z.B. die Internetseite www.faireMedien.de, sie dokumentiert Verfehlungen der Medien gegenüber der Kirche, dem Lebensrecht und der Familie.

Viele Menschen reagieren auf mediale Manipulationen mit Wut und Empörung. Polemik, Beleidigungen und unflätige Ausdrücke sind dann leider keine Seltenheit.

Damit ist der Sache aber nicht gedient. Im Gegenteil. Nun können die Kritisierten sagen: Schaut sie euch an, diese Fanatiker, diese schlimmen Menschen. Es wird ein schlechtes Bild von Christen vermittelt.

Was können wir Bürger und Christen also tun, um die Einseitigkeit in den Medien zu reduzieren und der Wahrheit zu dienen?

Vor allem müssen wir aufpassen, daß wir nicht ungeprüft Gerüchte verbreiten und damit ungewollt das Geschäft der Verleumder betreiben. Es gilt also, Beiträge kritisch zu überdenken.

Fragen wir uns: Wo wird Meinung mit Bericht vermischt? Wo werden nicht Zahlen, Daten oder Fakten geliefert, die mir meine eigene Meinungsbildung ermöglichen; wo werden mir statt dessen die Meinung und das Urteil eines Journalisten vorgesetzt, die dann als angebliche Meldung daherkommen?

Wenn uns mögliche Fehler, Einseitigkeiten und Manipulationen auffallen, sollten wir den Sachverhalt zunächst gründlich prüfen.

Das läßt sich leicht - und ohne die Gefahr sich zu blamieren - durch Nachfragen tun. Wir können bei den im Artikel genannten Personen oder Organisationen nachfragen, wie sie die Sache sehen. Danach können wir bei der Redaktion nachfragen, wie sie dazu steht, daß der Darstellung im Bericht widersprochen wurde.

Liebe Hörerinnen und Hörer von Radio Horeb, bitte täuschen Sie sich nicht. Auch wenn in solchen Fällen meist keine befriedigende Antwort und schon gar kein Schuldeingeständnis kommt, so haben Nachfragen in der Redaktion intern doch eine große Wirkung, ebenso wie Leserbriefe, selbst wenn sie nicht abgedruckt werden.

Journalisten neigen in der Regel dazu, eitel zu sein, sie wollen als besonders klug und wissend erscheinen. Außerdem leben Medien von Glaubwürdigkeit. Daher juckt es die Medienschaffenden durchaus, wenn sie bei Falschmeldungen erwischt werden. Die Nachfrage muß daher gar nicht aggressiv sein, um zu wirken. Im Gegenteil. Wenn die Botschaft ankommt: „Du hast falsch berichtet und ich weiß es“, so ist das ein Schlag in die Magengrube der Verantwortlichen. Je ruhiger und sachlicher unsere Kritik ist, desto mehr wirkt sie.

Noch etwas ist mir wichtig: Bitte unterscheiden Sie immer den Bericht vom Kommentar. Berichte sollen ausgewogen sein und informieren. Ein Kommentar ist die Meinung des Journalisten. Bitte gehen Sie mit Meinungen respektvoll um. Jeder darf seine Meinung haben und für diese werben, so lange er das mit offenem Visier tut. Auch wenn sie noch so kirchenkritisch ist und uns weh tut oder ärgert.

Zugleich stellen wir, wo möglich, unsere Meinung sachlich und freundlich, also gewinnend dagegen. Man soll dem anderen die Wahrheit nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren schlagen, sondern sie ihm wie einen Mantel hinhalten, in den er hineinschlüpfen kann. Das gilt für alle Diskussionen.

Wir sind als Christen im demokratischen Staat aufgerufen, gegenüber der Presse aufmerksamer und aktiver zu sein. Demokratie braucht unabhängige Medien. Medien sollen die Mächtigen kontrollieren. Doch wo Medien ihre Stellung mißbrauchen, muß der Bürger die Medien kritisch hinterfragen. Demokratie lebt auch hier vom Einsatz der Bürger


 

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Der Durchblick e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Verkündigung des katholischen Glaubens sowie für das Lebensrecht einsetzt.

 

Zitat des Moments

»Die Kirche [...] kann nicht auf eine einfache Sozialagentur reduziert werden, wo der Dienst am Nächsten nur aus beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen heraus oder von allgemeinen humanitären Prinzipien her motiviert ist. Die Kirche ist die Gemeinschaft derer, die die Quelle der Liebe erkennen, die sie zu handeln drängt, nicht aus sich selbst heraus, sondern in Gott.«

Aus einem Kommentar des Erzbischofs von Chieti-Vasto, Bruno Forte, auf die Forderung, die Kirche solle ihren völkerrechtlichen Sonderstatus aufgeben; zitiert von »Radio Vatikan« am 18.08.2007