Post-Abortion-Syndrome (PAS)

 

Mit diesem Begriff wird in der Psychologie und der Psychiatrie die Gesamtheit der psychischen Symptome bezeichnet, die bei sämtlichen in das Abtreibungsgeschehen involvierten Personen – also den Frauen, Kindsvätern, Ärzten, Beratern und dem Pflegepersonal – als Folge von Abtreibung auftreten können.

 

1981 brachte der Psychologe Vincent Rue erstmals die Folgeerscheinungen von Abtreibungen mit dem Posttraumatischen-Stress-Syndrom (PTSD= Post Traumatic Stress Disorder) in Verbindung. Dieses PTSD wurde bei Veteranen des Vietnam-Krieges beobachtet, die plötzlich Jahre nach der Kriegserfahrung ein pathologisches Verhalten zeigten. Verursacht wird das PTDS laut Trauma-Forscher Arthur Blank durch „einen Kontakt zwischen dem Individuum und den dunkelsten und gewalttätigsten Kräften der menschlichen Natur.“ Z.B. Krieg, Mord und Vergewaltigung konfrontieren die Menschen mit dem Tod oder unkontrollierbarer Gewalt. Solche Ereignisse überwältigen die normalen psychischen Abwehrmechanismen eines Menschen, die traumatisierte Person versucht das Erlebte zu verdrängen, doch das Unterbewusstsein fordert eine Verarbeitung. Oft ist der Verdrängungsmechanismus so stark, dass die Folgen erst bis zu zehn Jahre nach dem eigentlichen Vorfall sichtbar werden.

 

Betrachtet man unter diesen Vorzeichen das Abtreibungsgeschehen, so liegt es nahe, das PAS als Sonderform des PTSD zu definieren: Auch eine Abtreibung führt zu einer direkten Konfrontation mit dem Tod; daneben beschreiben Frauen – gerade wenn sie zur Abtreibung gedrängt werden – die Durchführung der Abtreibung, bei der sie festgebunden und hilflos auf dem Behandlungsstuhl liegen, als eine der Vergewaltigung ähnliche Situation. Bei den Vietnam-Veteranen wurden ebenso wie bei Frauen, die unter ihrer Abtreibung leiden, drei große Symptomkomplexe beobachtet:

 

Übererregbarkeit: Die traumatisierte Person verhält sich ständig so, als ob eine große Gefahr drohe. Angstattacken, aggressives Verhalten, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen sind nur einige der daraus resultierenden typischen Symptome.

 

Überwältigung: Darunter versteht man das ungewollte und unerwartete Wiedererleben des traumatisierenden Ereignisses, das sowohl in einem kurzen Aufblitzen der Erinnerungen, den so genannten Flashbacks, als auch etwa in Träumen durchbricht.

 

Einengung: Die traumatisierte Person entwickelt Verhaltensmuster, um Situationen zu vermeiden, die mit dem Abtreibungsgeschehen assoziiert werden können. Dazu gehört etwa, dass Frauen nach einer Abtreibung nicht mehr im Stande sind, sich an das Geschehene zu erinnern, dass sie Beziehungen zu den Menschen abbrechen, die in die Abtreibung involviert waren, sie Kinder oder schwangere Frauen meiden, ihre Liebesfähigkeit verlieren, es zu Drogen- und Alkoholmissbrauch kommt und selbstzerstörerische Tendenzen auftreten bis hin zum Selbstmord. Neben diesen Hauptsymptomen kann es – in unterschiedlicher Intensität – zu einer großen Bandbreite an psychischen, psychosomatischen und körperlichen Folgeerscheinungen kommen, die oft dringend behandlungsbedürftig sind.

 

Laut der Würzburger Psychologin Maria Simon leiden 80 Prozent der Frauen nach einer Abtreibung unter psychischen Spätfolgen, wie etwa an Reue- und Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen, Stimmungsschwankungen und Depressionen, unmotiviertem Weinen, Angstzuständen und schreckhaften Träumen.

 

Die Ergebnisse aus Deutschland werden von amerikanischen Studien bestätigt. Demnach haben 92,6 Prozent der befragten Frauen starke Schuldgefühle, über 88 Prozent leiden unter einer Depression, 38,6 Prozent an Essstörungen und 40,6 Prozent haben mit dem Konsum von Drogen begonnen. Nur 5,1 Prozent der 260 Befragten fühlen einen inneren Frieden.

 

Symptome des PAS

-Posttraumatische Belastungsstörung: Flashbacks (63%), Alpträume

-Depressionen (88%) bis hin zu Selbstmordversuchen (28%)

-Stimmungsschwankungen, Weinkrämpfe, hysterische Anfälle (51%)

-Angstzustände, Schlaflosigkeit, Schuld-, Reuegefühle, Selbstvorwürfe (85%)

-Absterben des Gefühlslebens

-Beziehungsstörungen : Paare trennen sich innerhalb eines Jahres nach der Abtreibung (70%).

 

 

Hilfe

Die Heilung des Abtreibungstraumas erfordert einen mit der Abtreibungsthematik vertrauten Therapeuten. Erfahrungen zeigen, dass reine Psychotherapie nicht in der Lage ist, dem Abtreibungstrauma gerecht zu werden.

 

Es gibt Selbsthilfegruppen für betroffene Frauen, in denen darüber hinaus versucht wird, Abtreibungen gemeinsam aufzuarbeiten, in Deutschland z.B. Rahel e.V. Die Probleme der Frauen werden dort nicht tabuisiert, sondern offen besprochen.

 

Viele Frauen versöhnen sich mit ihrem abgetriebenen Kind, indem sie ihm einen Namen geben und es symbolisch begraben. Vielen hilft die Erfahrung der Versöhnung mit Gott in im Sakrament der Beichte.

 

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Erfahrungsberichte Betroffener

gibt es auf der Rahel-Homepage (www.rahel-ev.de) unter dem Link „Erfahrungen“

 

 


 

 

Ausgewählte Literatur

 

Nancy E. Adler, et al.: Psychological Responses After Abortion. In: Science 248 (1990) S. 41-44.

 

J. R. Ashton: The Psychological Outcome of Induced Abortion. In: British Journal of Ob & Gyn. 87 (1980) S. 1115-1122.

 

Veronika Blasel: Wenn die Seele stirbt. In: Lebensforum Nr. 73 (2005) S. 20-24.

 

Council on Scientific Affairs, American Medical Association: Induced Termination of Pregnancy Before and After Roe v. Wade: Trends in Mortality and Morbidity of Women. In: JAMA 268 (1992) S. 3231-3239.

 

Mika Gissler, Elina Hemminki, Jouko Lonnqvist: Suicides after pregnancy in Finnland, 1987-94: register linkage study. In: Britsh Medicial Journal 313 (1996) S. 1431-1434.

 

Angelika Pokropp-Hippen: Post Abortion Syndrom. In: Lebensforum Nr. 74 (2005) S. 21-23.

 

Susan Stanford: Werde ich morgen weinen? Marburg 2001.

 

Karin Struck: Ich sehe mein Kind im Traum. München 1994.

 

Wanda Franz, et al.: Differential Impact of Abortion on Adolescents and Adults. In: Adolescence 27 (1992) S. 161-172.

 


 

VitaL

 

Zitat des Moments

»Das Gebet ist kein Zubehör, kein ‚Extra‘, sondern es ist eine Frage von Leben und Tod. Nur derjenige, der betet, derjenige also, der sich Gott in kindlicher Liebe anvertraut, kann in das ewige Leben eingehen, das Gott selbst ist.«

Papst Benedikt XVI. beim Angelusgebet am 4. März 2007