Pilgerbericht von der internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes

 

Karlsruhe, 9. Mai 2012. Um 16.30 stiegen wir in den Pilgerzug nach Lourdes. Erinnerungen werden in mir wach. Vor über 20 Jahren habe ich zum ersten Mal an der internationalen Soldatenwallfahrt teilgenommen. Damals als Wehrpflichtiger. Heute begleite ich den Zug in als Journalist, in zivil. Ich erinnere mich an die kameradschaftliche Verbundenheit damals...

 

Gegen 18 Uhr trafen wir in Freiburg ein. In der St. Martin-Kirche war der Eröffnungsgottesdienst. Die Soldaten zogen in geschlossener Marschformation vom Hauptbahnhof zur Kirche. Sie erregten viel Aufmerksamkeit und bei einigen Passanten auch Befremden.

Wenn ich bei solchen Gelegenheiten hämische Bemerkungen über Soldaten höre, schmerzt mich das immer wieder. Da sind Männer und Frauen bereit, notfalls für unsere Freiheit ihr Leben einzusetzen. Und die Nutznießer dieses Dienstes danken es mit spöttischen Bemerkungen.

 

Nach einer anstrengenden Zugfahrt die ganze Nacht hindurch kamen wir gegen 13.00 Uhr in Lourdes an. Eine Blaskapelle der Bundeswehr empfing uns bei der Einfahrt. Eine schöne Geste. Oberhalb von Lourdes - etwa 15 bis 20 Minuten Fußmarsch, wenn man sehr gut trainiert ist - befindet sich ein großes Zeltlager, in dem Soldaten aus der ganzen Welt untergebracht sind.

 

Die internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes findet bereits seit 1958 jedes Jahr statt. Die gemeinsame Wallfahrt von Soldaten aus der ganzen Welt ist ein lebendiges Zeugnis für den Frieden im Marienwallfahrtsort. Allein aus der Bundesrepublik Deutschland haben schon über 100.000 Soldaten an der Wallfahrt teilgenommen.

 

 

Am nächsten Morgen war ein Gottesdienst an der Grotte für Soldaten aus den deutschsprachigen Ländern. Der Generalvikar im Katholischen Militärbischofsamt Berlin Walter Wakenhut predigte.

Er wies unter anderem darauf hin, dass zu Beginn der Soldatenwallfahrt - gegen Ende des II. Weltkriegs - niemand zu glauben gewagt hätte, dass schon bald Soldaten aus ehemals verfeindeten Ländern hier miteinander beten würden. Mittlerweile kommen auch Soldaten aus ehemaligen Ostblock-Ländern. Auch daran hatte bis vor wenigen Jahren niemand gedacht.

 

Danach wurde der Kreuzweg begangen und gebetet. Die lebensgroßen Figuren stellen die letzen Stunden im irdischen Leben des Herrn, sein Leiden für uns, auf beeindruckende Weise dar. Und bei fast 30 Grad im Schatten, wurde diese Andacht auch zu einem persönlichen Kreuzweg...

 

Um 21 Uhr wurde dann die Soldatenwallfahrt offiziell und ganz feierlich eröffnet. „Ave Maria - Königin des Friedens“ ist das Motto. Für mich war es sehr ergreifend, zu erleben, wie Soldaten aus allen Kontinenten in die riesige unterirdische Basilika einzogen. Viele Delegationen hatten eine Musikkapelle dabei und spielten eine landestypische Melodie. Die Militärbischöfe der jeweiligen Länder zogen mit den Soldaten ein und versammelten sich dann auf der Altarinsel.

Welch schöner Anblick: Soldaten aus so vielen Ländern friedlich vereint zu sehen. Alle verbindet der gemeinsame christliche Glaube. Und der Wunsch nach Frieden.

 

Gegen Mitternacht ging ich an die Grotte. Für mich ist diese Zeit immer etwas Besonderes. Ich erlebte das auch bei meinen früheren Aufenthalten in Lourdes. Nach Mitternacht ist kaum noch jemand an der Grotte. Es wird ganz still. Nur das leise und beruhigende Rauschen des Flusses ist zu hören.

 

Da fühle ich mich der Muttergottes und dem Himmel besonders nah. Maria hat hier im Auftrag des Herrn in unsere Zeit hineingesprochen und gewirkt. Unbegreiflich! Und an dieser Stelle darf ich nun stehen. Maria kam, weil ihr und Gott die Menschen nicht egal sind. Im Gegenteil. Wie das Kreuzesopfer Christi zeigt, ist dem Herrn nichts zuviel, wenn es darum geht, jeden einzelnen von uns zu erlösen.

 

Der Herr hat durch die Muttergottes hier schon viele innere Wunder gewirkt. Menschen kommen und werden innerlich völlig verwandelt. Plötzlich entsteht eine persönliche Beziehung zum lebendigen Gott. Das ist ein größeres Wunder, als wenn Organe heilen. Und es ist das wichtigere Wunder.

 

 

In den nächsten Tagen erleben wir die vielen Aspekte dieses Wallfahrtsortes. Da ist der Dienst der Liebe: Viele Pilger melden sich freiwillig, um Kranke in die Basilika fahren und ihnen zur Seite stehen. Die Liebe, die wir schenken, kehrt ins eigene Herz zurück.

 

Da ist die Quelle von Lourdes. Medizinisch und chemisch gesehen ganz normales Wasser. Auf jeden Fall kein Heilwasser. Die außergewöhnlichen Wirkungen sind nicht natürlich erklärbar. Es ist ein Eingreifen Gottes. Seine Liebe wird erfahrbar... .

Es geht in Lourdes eben nicht um spektakuläre körperliche Heilungen. Diese sind nur eine Bestätigung, dass der Himmel am Wirken ist. Was wirklich zählt, sind die Wunder, die in den Herzen geschehen. Dass eine lebendige Beziehung zum lebendigen Gott entsteht. Darum geht es. Das ist wirklich wichtig. Für mein Leben jetzt - und erst recht für das ewige Leben.

 

Ergreifend war auch die Taufe eines Soldaten und die Firmung von zwei Soldatinnen durch Militärbischof Franz-Josef Overbeck. Gott ruft auch heute junge Menschen in seine Kirche! Dies gehört zu den größten Wundern von Lourdes. Eine der Gefirmten war nach ihrer Soldatenwallfahrt im letzten Jahr vom neuapostolischen Glauben zur katholischen Kirche zurückgekehrt.

 

 

Bei der Abschlussmesse am Sonntag stellte der Präfekt der Bischofskongregation Marc Kardinal Ouellet die Treue in den Mittelpunkt seiner Predigt: Treue ist die Würde der Menschen und das Zeichen der Liebe. 11.000 Pilger aus über 30 Nationen, darunter 850 Deutsche sind dabei.

Bei den Fürbitten wurde mir wieder bewusst, welchen enormen Einsatz unsere Soldaten bringen: Wir beteten zum Beispiel für die, die unter den langen Trennungen von ihrer Familie leiden und für die, die Verletzungen an Leib und Seele erlitten haben.

 

 

Viel zu schnell ging diese Wallfahrt zu Ende. Aber ich bin überzeugt, dass Lourdes einen tiefen Eindruck in den Seelen der pilgernden Soldaten hinterlassen hat. Man könnte noch viel beschreiben und erzählen. Aber Lourdes muss man erleben – ob als Soldat oder Zivilist. An diesem Ort berühren sich Himmel und Erde und die Internationale Soldatenwallfahrt ist ein Geschenk, das ich dankbar in Erinnerung behalten werde.

 

Thomas Schührer

 

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Zitat des Moments

»Das Gewissen besitzt seine Rechte, weil es seine Pflichten hat.«

Der selige John Henry Newman (1810-1890).