Fleisch von ihrem Fleisch

Was die Mutterschaft Mariens uns zu sagen hat - weit über das Biologische hinaus

von P. Elmar Busse (Schönstatt)


»Dieser Gott ist mein Kind. Dieses göttliche Fleisch ist mein Fleisch. Er ist aus mir gemacht, er hat meine Augen, und diese Form seines Mundes ist auch die Form von meinem. Er sieht mir ähnlich. Er ist Gott, und er sieht mir ähnlich.«

– So spricht Maria in einem Krippenspiel, das im Kriegsgefangenenlager in Trier Weihnachten 1940 aufgeführt wurde. Und der 35jährige Gefangene, der den Text des Krippenspiels geschrieben hatte, war – man vermutet es kaum – Jean Paul Sartre.

(Quelle: Bernhard Meuser, Beten. Eine Sehnsucht, Pattloch München 2008, S. 81f.)

Die Läuterung nach dem Tod

Das Fegefeuer - keine Drohung sondern Vorbereitung auf unsere Seligkeit

von Pfr. Ulrich Filler

 

Wenn der Rheinländer ordentlich Karneval feiert, stimmt er gerne lauthals in den bekannten Schlager ein: »Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind, weil wir so brav sind!« Das ist gute Schunkelmusik, aber leider keine gute Auslegung unseres Glaubens.

Denn wenn wir das Evangelium aufschlagen, finden wir nicht die Botschaft: Wir kommen alle sowieso in den Himmel, egal was wir tun und lassen, egal, wie wir uns entscheiden. Die Botschaft Jesu ist eine andere: Unser Leben ist die Zeit der Entscheidung, der Entscheidung für oder gegen Gott, für oder gegen die Liebe. Und Gott nimmt mich und meine Entscheidung ernst. 

Der Bischof - mein Hirte

von Pfr. Elmar Stabel

 

Schon im Neuen Testament lesen wir davon, daß die junge Kirche Bischöfe (griech.: episkopoi) besaß. Im selben Sinne wurden sie auch »Älteste« genannt. Diese waren Leiter der Gemeinde und Spender der Sakramente, insbesondere in der Feier der Eucharistie. Sie wurden – wie es heute noch üblich ist – durch Handauflegung von den Aposteln selbst oder anderen Bischöfen geweiht.

Die Bischöfe sind »Nachfolger der Apostel«. Das bedeutet, daß sie von diesen die Aufgaben der Apostel übertragen bekamen. Denn die Aufträge, die Jesus seinen Aposteln übertrug, waren ja für alle Zeiten gegeben, nicht nur für die ersten Jahrzehnte der Kirche. Darum haben die Apostel selbst ihre Nachfolger bestimmt.

 

Das Ziel im Blick

Gedanken zum Fest Christi Himmelfahrt

von Pfr. Georg Alois Oblinger

 

Ein pädagogischer Grundsatz lautet, man müsse die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Auch in der Pastoral ist dieser Leitsatz in den letzten Jahrzehnten besonders betont worden.

Manchmal wurde allerdings vergessen, daß es nicht genügt, auf die Menschen zuzugehen. Eine gute Pädagogik und eine Pastoral, die diesen Namen verdient, versuchen immer auch, den Menschen weiterzuführen.

 

Unsichtbare Welt

 

In diesem Sinne war Jesus ein guter Pädagoge und er wird zu Recht »guter Hirte « (»pastor bonus«) genannt. In seiner Menschwerdung holte er uns Menschen wirklich dort ab, wo wir stehen. Er wurde «in allem uns gleich, außer der Sünde« (4. Hochgebet der Heiligen Messe).

Er möchte uns aber auch dem Ziel unseres Lebens entgegenführen, nämlich dem Himmel. So ist er nach seiner Auferstehung und zahlreichen Erscheinungen vor seinen Jüngern uns vorausgegangen und in den Himmel aufgefahren. Vierzig Tage nach Ostern begeht die Kirche den Festtag dieses Heilsereignisses.

 

Von der Barmherzigkeit Gottes

Auszug aus dem Buch »Elemente einer Spiritualität der Liebe«

von Alfons Maria von Liguori

 

Gott ist so geneigt, seine Gnaden uns mitzuteilen, daß, mit dem hl. Augustinus zu reden, sein Verlangen, sie uns zu geben, stärker ist als unsere Sehnsucht, sie von Ihm zu empfangen. Der Grund ist, weil es der Güte wesentlich ist, sich mitzuteilen: est sui diffusiva, sagen die Philosophen, sie hat den Drang in sich, in Wohltun für andere sich zu ergießen.

Deshalb hat Gott, die unendliche Güte, ein unendliches Verlangen, sich uns, seinen Geschöpfen, mitzuteilen und seiner Güter uns teilhaftig zu machen. Das ist auch der Grund von der großen Barmherzigkeit, die der Herr mit unseren Nöten hat. Den Erdkreis nennt David voll der göttlichen Barmherzigkeit; nicht aber voll der göttlichen Gerechtigkeit; denn Gerechtigkeit übt Gott durch Bestrafung der Übeltäter nur dann, wenn es zum Heile dient und Er gleichsam dazu gezwungen wird; dagegen übt Er zu jeder Zeit gern und freigebig Barmherzigkeit gegen alle; darum sagt der hl. Jakobus: »Die Barmherzigkeit ist erhaben über das Gericht« (Jak 2,13).

Beten mit dem ganzen Körper

Ein kleiner Kirchen-Knigge

von Pfr. Georg Alois Oblinger

 

Kaugummi kauend und mit den Händen in der Hosentasche redet der pubertierende Jugendliche mit seinem Lehrer. So ein Flegel! Hat der denn gar keine Manieren? Immer schon hat ein deplatziertes Benehmen Anstoß erregt. Da ärgern sich Eltern darüber, daß Kinder die Zauberwörter »bitte« und »danke« nicht beherrschen.

Andererseits merken junge Menschen spätestens beim Bewerbungsgespräch, wie wichtig korrekte Umgangsformen sind. Das beginnt bei der Wahl der Kleidung und zeigt sich vor allem in der Sprache und in der Körperhaltung. Benimmregeln sind im Leben oftmals der Schlüssel zum Erfolg.

Auch Literatur zu diesem Thema ist gefragt wie selten zuvor. Den Klassiker hierzu schrieb im Jahr 1788 Adolph Freiherr Knigge (1752 -1796): »Über den Umgang mit Menschen«.

 

Was den Umgang mit Menschen betrifft, gilt aber ebenso für den Umgang mit Gott.

Auch hier haben viele junge Menschen – und nicht nur sie! – das Gespür für das rechte Verhalten in seiner Gegenwart verloren. Wenn manche Schulklasse laut redend und ohne jegliche Ehrfurchtsbezeigung die Kirche zum Schulgottesdienst betritt, ist dies nur die Spitze des Eisbergs. Denn häufig geben Erwachsene ein schlechtes Beispiel.

Das Gespür für angemessene Körperhaltung und Gesten im Kirchenraum ist vielerorts in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen.

 

Wie macht man es richtig? In der Kirche soll die ganze Körpersprache (und auch die Kleidung!) ausdrücken: hier ist das Haus Gottes, hier berühren sich Himmel und Erde, hier begegne ich dem lebendigen Gott. Auch Menschen, die unsern Glauben nicht teilen, sollen wenigstens erkennen: dies ist ein Ort, der den Christen heilig ist.

 

Gottes Zeit und unsere Zeit

Gedanken zu Neujahr

von Pfr. Lothar Roos

 

In wenigen Wochen beginnen wir ein neues Jahr. Was aber feiern wir Menschen eigentlich an Neujahr? Zunächst ist es ganz einfach ein neues Sonnenjahr. 365 Tage lang kreist die Erde um die Sonne, und dann fangen wir wieder von vorne an.

Ein neues Jahr bedeutet aber nicht nur die Wiederkehr des immer Gleichen. Wir Menschen sind geschichtliche Wesen. Jedes Jahr bringt uns etwas Neues.

Was feiern wir aber als Christen? Im Mittelalter sprach man von einem »Jahr des Heils«. Jedes neue Jahr ist ein weiteres Jahr auf unserem Weg zum ewigen Heil. Als Christen verstehen wir unsere Zeit als Gottes Zeit. Wir wollen darüber ein wenig nachdenken, was dies bedeutet. Was ist die Zeit, von Gott her gesehen? Auf diese Frage gibt uns der christliche Glaube eine dreifache Antwort:

 

Heiligenverehrung - noch zeitgemäß?

Eine Annäherung in acht Schritten

von Pfr. Hendrik Jolie

 

»Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm. […]

Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das mußt du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen.«

(Offb 7,9-10.13-15)

 

Der Zölibat - Gewinn, nicht Verlust

Die Bedeutung von Ehe und Ehelosigkeit nach Johannes Paul II.

von Maria Walter

 

In unserer Gesellschaft wird der christliche Zölibat immer wieder in Frage gestellt – kein Wunder, denn bekannt ist meist nur noch seine Negativ-Beschreibung: Wir wissen, worauf der Zölibatäre verzichtet. Was uns fehlt, ist eine positive Sichtweise, das Wissen darum, was der Zölibat denn eigentlich beinhaltet.

 

In seinem Buch »Theologie des Leibes für Anfänger« stellt Christopher West die wesentlichen Aussagen Johannes Pauls II. über die Bedeutung des menschlichen Leibes und seiner Geschlechtlichkeit dar. Ein Kapitel dieses Buches ist dem Zölibat gewidmet. Der folgende Artikel basiert auf diesem Kapitel und soll einen Einblick in die Sicht der Kirche auf den Zölibat geben, wobei hier nur kurz die wesentlichen Aussagen zusammengefaßt werden können.

 

Wo drei sind einer – und einer drei

Betrachtungen zum Fest der Heiligen Dreifaltigkeit

von P. Klaus Einsle LC

 

Reli-Unterricht in einer 12. Klasse. Es geht um »Basics des christlichen Glaubens«, um den einen Gott, der zugleich Vater, Sohn und Geist ist. Einer? Drei? Das Interesse ist gedämpft.

Da sagt Matthias: »Ich als Chemiker erklär’ mir das so: Wasser kann als Flüssigkeit, Eis oder Wasserdampf auftreten. Aber es bleibt immer Wasser, H2O.« Verblüfftes Schweigen, dann Gemurmel: »Die drei Aggregatzustände Gottes... Irgendwie genial?«

 

Naja, ganz so einfach können wir es uns mit der »Dreifaltigkeit Gottes« leider nicht machen. Karl Rahner, dem großen Jesuiten-Theologen, legt man die Aussage in den Mund, daß jeder, der länger als zehn Minuten über die Dreifaltigkeit spreche, in der Gefahr stehe, eine Irrlehre zu verkünden. So einfach kann es also nicht sein.

Nähme man aber dem katholischen Glauben die Dreifaltigkeit, so fiele er wie ein Kartenhaus in sich zusammen und würde sinnentleert. Die Dreifaltigkeit Gottes ist eine der wichtigsten, wenngleich schwierigsten Wahrheiten unseres Glaubens.

 

 
 

Zitat des Moments

»Ich bin immer gläubiger vom Weltjugendtag wiedergekommen, als ich hingefahren bin.«

Joachim Kardinal Meisner bei einer Veranstaltung zur Vorbereitung auf den Weltjugendtag 2011. (kath.net. 01.07.2011)