Diese Weisung gibt es tatsächlich. In der Instruktion »Redemptionis sacramentum. Über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind« (2004) heißt es, daß dieser »Mißbrauch [...] zu verwerfen und dringend zu korrigieren« ist.

 

Begründet wird diese Ablehnung damit, daß das Brechen der Hostie während der Wandlung der Tradition der Kirche widerspricht. Die Kirche hat die Brechung der Hostie schon seit frühester Zeit vor der Kommunion bei dem »Lamm-Gottes«-Ruf. Dieser Brauch war von Anfang an von so großer Bedeutung, daß er – schon zur Zeit der Apostel (Apg 2,42-46) – der ganzen Meßfeier den Namen gab.

 

Die Gefahr, die wohl gesehen wird und abgewendet werden soll, ist die, daß das Brotbrechen an sich auch außerhalb der Eucharistiefeier ein beliebter Brauch war, also auch ein Name für einfaches gemeinsames Essen sein konnte.

Das Brechen des Brotes wurde darum in der Meßfeier zunehmend zu einem Opferritus: Der Leib Jesu (der ja erst seit der Wandlung, also nach den Worten »...brach das Brot...«, vorliegt) wird zeichenhaft für das Opfer am Kreuz gebrochen.

 

In diesem Sinne wird in kirchlichen Dokumenten auch darauf verwiesen, daß die Meßfeier kein dramaturgisches Mysterienspiel ist, wo einfach nachgestellt wird, was damals geschah, sondern daß sie vielmehr ein hymnisches Lobgebet an den Vater ist, während dessen sich das Meßopfer vollzieht.

 

Was ist zu tun, wenn es dennoch geschieht? – Nun, wie bei anderen Verletzungen der liturgischen Regeln wäre es natürlich sinnvoll, mit dem Zelebranten ins Gespräch zu kommen. Man kann z.B. darauf hinweisen, daß wir doch bestrebt sind, Einheit zu schaffen. Wenn dagegen jeder das tut, was ihm selbst am besten gefällt, geht Einheit verloren.

Wichtig ist jedoch auch: Wenn ein Priester die Hostie verfrüht bricht, ist die Meßfeier und insbesondere die Wandlung jedenfalls dennoch gültig.

(Pfr. Elmar Stabel)

 

"Der Durchblick" Nr. 79, Januar 2012


 
 

Zitat des Moments

»Die Wahrheitsfrage zu stellen ist das Herzstück jeder Ökumene, sie zu tabuisieren läßt Ökumene zu einem ergebnislosen Smalltalk verkommen!«

Weihbischof Andreas Laun am 30.10.2009 in »kath.net«