Der im ersten Teil der Frage genannte Unterschied besteht nur beim liturgischen Gruß zu Beginn der Meßfeier. Ansonsten sagt auch der Bischof ebenfalls: »Der Herr sei mit euch.«

Eine eindeutige Begründung dieses Unterschiedes gibt es nicht. Sehr wohl ist dagegen bekannt, daß sich von frühester Zeit an sehr wahrscheinlich mehrere Unterschiede dieser Art entwickelt haben.

Denn um die Einheit von Stadtgemeinden zu festigen und dadurch u. a. auch Falschlehren abzuwehren, versuchte man vom 2. bis 4. Jahrhundert, nach Möglichkeit alle Teilnahmewilligen wenigstens aus den inneren Stadtteilen zur einen sonntäglichen Bischofsmesse zu versammeln – einschließlich ihrer Priester, die dabei als Konzelebranten mitwirkten.

 

Nachrichten über Einzelheiten des Meßablaufs aus dieser Zeit haben wir im Wesentlichen nur von den Bischofsmessen.

Es ist zu vermuten, daß die Messen von Priestern länger als die der Bischöfe ihre ursprüngliche Einfachheit beibehielten und manche Elemente, die sich später entwickelten, zunächst nicht übernahmen – bis Kaiser Karl der Große ca. 800 den Ritus der Papstmesse in Rom anforderte und für alle Zelebranten seines westeuropäischen Großreiches verbindlich vorschrieb.

 

»Der Friede sei mit euch« ist seit dem 4. Jahrhundert gebietsweise bezeugt, Auseinandersetzungen darum hat es etwa in Spanien im 6. Jahrhundert gegeben. Ein möglicher Grund, warum man diese Formel als hochwertiger der anderen gegenüber angesehen und sie deshalb dem Bischof vorbehalten haben mag, könnte darin bestehen, daß sie in der Bibel gleich viermal als Gruß des auferstandenen Christus an seine Jünger erscheint (Lk 24, 36; Joh 20, 19.21.26).

Mit dem Unterschied bezüglich der Segensformel verhält es sich ähnlich. Daß Bischöfe am Ende der Meßfeier und anderer Gottesdienste einen Segen erteilten, ist seit dem 4. Jahrhundert belegt, Priestern dagegen wurde es zunächst kirchenrechtlich verwehrt. Als es ihnen dann ab etwa dem 7. Jahrhundert zunehmend gestattet wurde, meinte man dennoch weiter einen Unterschied markieren zu sollen, indem man ihnen dafür nur eine kürzere und schlichtere Form zugestand.

Inhaltlich steht in den von den Bischöfen benutzten zusätzlichen Versen nichts, was nicht auch Priester bei anderen Gelegenheiten, zum Beispiel bei der Segnung von Gegenständen sprechen.

(Pfr. Dr. François Reckinger)

 

"Der Durchblick" Nr. 79, Januar 2012


 
 

Zitat des Moments

»Die Verpflichtung zur Wahrheit ist die Seele der Gerechtigkeit.«

Papst Benedikt XVI., Ansprache an das Diplomatische Korps am 09.01.2006 in Rom