Für uns katholische Christen ist die Antwort auf diese Frage eindeutig: am Samstagabend. Die entsprechende Tradition geht auf die jüdische Praxis zurück, die die Tage nicht von 24.00 bis 24.00 Uhr, sondern von 18.00 bis 18.00 Uhr zählt.

Bei der Übernahme ins christliche Stundengebet wurde dieses System allerdings leicht verändert: Die heutige Regelung besagt: Sonntage und Hochfeste beginnen am Vorabend, ähnlich den jüdischen Tagen, enden jedoch, anders als in der jüdischen Zählung, eindeutig erst um 24.00 Uhr des eigentlichen Tages. Das Gesagte gilt auch für die Feste, die zufällig oder (wie etwa Pfingsten) regelmäßig auf einen Sonntag fallen.

Im Stundengebet der Kirche nach der geltenden Ordnung von Papst Paul VI. lautet der Titel der am Samstagabend zu feiernden Vesper folglich: »Sonntag. Erste Vesper«. Das Abendgebet am Samstag ist demnach das erste Gebet des neuen Sonntags. Die Vesper am Sonntagabend heißt »Sonntag. Zweite Vesper«.

 

In Übereinstimmung damit hat derselbe Papst schon 1967 – als der Generalkalender, das Meßbuch und das Stundenbuch noch in Vorbereitung waren – entschieden, daß Meßfeiern am Samstagabend, genau wie die vom folgenden Tag, als Sonntagsmessen zu gelten haben: Die Teilnahme daran ist Erfüllung der Sonntagspflicht; sie sind mit den Texten des Sonntags, nicht des Samstags zu feiern; die Homilie (Predigt) darf nicht entfallen.

 

Die zweite Frage ist schnell beantwortet: Der Sonntag ist eindeutig, der gesamten christlichen Tradition entsprechend, der erste Tag der Woche, da der Samstag (Sabbat) der siebte Tag ist. Darin stimmen die liturgischen Bücher aller Jahrhunderte mit der Bibel völlig überein.

Die Umstellung in den Taschenkalendern, die in dieser Hinsicht vor wenigen Jahren erfolgt ist, hat keinerlei religiös-kirchliche Bedeutung, sondern allein praktische, von der Wirtschaft diktierte Gründe. Sie kann aber auch für wache Christen eine praktische Hilfe sein, um sich im Voraus auf Gottesdienste, Besuche und ähnliche schöne Ereignisse des nachfolgenden Sonntags zu freuen.

 

(Pfr. Dr. François Reckinger)

 

"Der Durchblick" Nr. 70, Juli 2010


 
 

Zitat des Moments

»Mensch der Moderne sein heißt, den fremden Tod kalten Herzens sehen und nie an den eigenen denken.«

Der kolumbianische Philosoph Nicolás Gómez Dávila (1913- 1994)