Gibt es am Pfingstmontag eine »Sonntagspflicht «? Und welche Regelung gilt für Hochfeste, die auf einen Arbeitstag fallen? 

 

Ich fange am besten mit der zweiten Frage an. Eine Sonntagspflicht gibt es nicht für alle Hochfeste, sondern nur für jene, die vom geltenden Kirchenrecht benannt sind. Es sind deren nach dem Codex des Kanonischen Rechtes, Canon 1246,1, theoretisch insgesamt zehn: Weihnachten, Erscheinung des Herrn, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam; die Marienfeste vom 1. Januar, 15. August und 8. Dezember; Allerheiligen sowie die Hochfeste des hl. Joseph und der Apostel Petrus und Paulus.

Aufgrund von Canon 1246,2 jedoch haben die Bischofskonferenzen aller Länder entsprechend jeweiliger örtlicher Tradition eine unterschiedliche Anzahl dieser Feste auf den nachfolgenden Sonntag verlegt oder ihre Geltung als gebotene Feiertage aufgehoben. Auch das ist nicht unbedingt für jedes der betroffenen Länder einheitlich geschehen, sondern, z. B. in Deutschland, dem regionalen Herkommen entsprechend unterschiedlich in den einzelnen Diözesen. Für ganz Deutschland gelten nur Weihnachten, der 1. Januar und Christi Himmelfahrt.

 

Die Zweitfeiertage – Zweiter Weihnachtstag, Ostermontag, Pfingstmontag – werden in der Liste des Codex nicht erwähnt, weil deren Geltung als gebotene Feiertage eine Sondertradition unseres Sprachbereichs darstellt. Aufrechterhalten wird diese Tradition für Deutschland aufgrund eines Beschlusses der Deutschen Bischofskonferenz vom 20. September 1994.

 

Soweit einige der gebotenen Feiertage in einer bestimmten Gegend auf Arbeitstage fallen, sollten die Seelsorger dafür sorgen, daß in ihrem Gebiet ein Gottesdienst am Vormittag, vor allem im Blick auf ältere Teilnehmer, und einer am Abend, insbesondere für Berufstätige, soweit wie möglich in erreichbarer Nähe gefeiert wird. Aber auch dann werden viele Gemeindemitglieder der Umstände wegen von der Erfüllung der Teilnahmepflicht entschuldigt sein.

Was unsere innere Haltung zu der Frage betrifft, sollten wir den Blick auch weit weniger auf Gesetz und Verpflichtung richten, als vielmehr auf die Freude darüber, daß es diese Feste gibt und daß wir sie als Kirche am Ort gemeinschaftlich feiern und die entsprechenden Gottesdienste nach Möglichkeit schön gestalten dürfen.

 

(Pfr. Dr. François Reckinger)

 

"Der Durchblick" Nr. 70, Juli 2010


 
 

Zitat des Moments

»Der größte moderne Irrtum besteht nicht in der These vom toten Gott, sondern im Glauben, daß der Teufel tot ist.«

Der kolumbianische Philosoph Nicolás Gómez Dávila (1913- 1994)