Das »Amen« ist ein hebräischer Ausruf, der Bestätigung ausdrückt. Zu übersetzen wäre es, wenn es auf eine Behauptung folgt mit: »So ist es« oder »Ja, das steht fest«; wenn dagegen eine Bitte oder ein Wunsch vorausgeht: »So sei es« oder »Ja, so soll es geschehen«. Jesus allein gebraucht es auch am Anfang von Lehrsätzen – wohl ein Zeichen dafür, daß er, als Gott und Mensch zugleich, schon bevor er gesprochen hat, von uns bloßen Menschen Zustimmung zu dem verlangen kann, was er sagen will.

 

Nach dem Vaterunser entfällt das Amen bei der hl. Messe nur scheinbar. In Wirklichkeit wird es lediglich aufgeschoben, weil die letzte Vaterunser- Bitte durch einen Zusatz (»Embolismus «) erweitert wird: »Erlöse uns Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen …« Dieser Zusatz wird mit dem Lobpreis »Denn dein ist das Reich …« beschlossen, und an dessen Ende folgt dann das Amen.

Es gibt daher an sich keinen Grund, das Amen nach dem Vaterunser grundsätzlich wegzulassen. Wo es sich allerdings von der Meßfeier her als Gewohnheit so eingebürgert hat, insbesondere beim Rosenkranzgebet, da lohnt es sich auch nicht, deswegen auf die Barrikaden zu gehen. Außerhalb von Messe und Rosenkranz ist es sinnvoll, das Vaterunser entweder direkt mit dem Amen oder mit der Lobpreis-Formel zu beschließen, die das Amen mit sich bringt.

 

(Pfr. Dr. François Reckinger)

 

"Der Durchblick" Nr. 72, November 2010


 
 

Zitat des Moments

»Während es in der christlichen Welt kriselt und immer mehr Katholiken die Autorität des Papstes in Frage stellen, glauben ausgerechnet die Lesben, Schwulen und Transgender an die Allmacht des Heiligen Vaters. Da er sie nicht von ihrer sexuellen Orientierung erlösen kann, soll er ihnen wenigstens seinen Segen geben.«

Der jüdische Publizist Henryk M. Broder in seinem Kommentar »Der Papst läßt keine Schwulen steinigen« In: »DieWelt« vom 25. 06.2011