Die Kirche feiert bei Heiligenfesten den Todestag des Heiligen (soweit dieser bekannt ist), da dieser Tag gemäß unserem Glauben der »Geburtstag für den Himmel« ist, also der Tag, an dem der Heilige nach dem persönlichen Gericht mit seiner Seele in den Himmel eingeht.

 

Der Geburtstag dagegen wird normalerweise nicht gefeiert, weil dieser Tag ja nicht der tatsächliche Anfang eines Menschen ist, vor allem aber weil zu diesem Zeitpunkt die Seele noch mit der Erbsünde belastet ist und außerdem die Entscheidung für Gott noch nicht gefallen ist, dort also noch gar nicht feststeht, ob dieses Leben einmal »gut ausgeht «.

 

Nur von Christus, Maria und Johannes dem Täufer (hier in Raffaels »Disputa del Sacramento« dargestellt) werden auch die Geburtstage gefeiert. Bei Jesus Christus, Maria und Johannes dem Täufer wird da eine Ausnahme gemacht.

Bei Jesus und Maria deswegen, weil sie beide von Anfang an (also schon bei der Empfängnis – welcher Tag bei beiden auch gefeiert wird!) unbeschadet ihr »Ja« zu Gott in sich trugen.

Bei Johannes dem Täufer ist die Kirche schon von frühester Zeit an der Überzeugung gewesen, daß bei der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth (und damit zwischen Jesus und Johannes) der hl. Täufer von der Erbschuld befreit wurde, ähnlich wie das bei der christlichen Taufe geschieht.

 

In diese Richtung wurde das freudige Hüpfen des ungeborenen Johannes sowie die Geisterfüllung der Elisabeth gedeutet. Gemäß dieser Überzeugung wird bei Johannes gefeiert, daß er schon bei (und vor) der Geburt erlöst war.

 

(Pfr. Elmar Stabel)

 

"Der Durchblick" Nr. 72, November 2010


 
 

Zitat des Moments

»Gestern las ich eine Stellungnahme eines Bischofs, dessen Namen ich nicht nennen möchte. Da dachte ich nur: deutsches Wohlstands-Wischi-Waschi. Keine klare Aussage. Wir Mönche haben es da leichter. Wir leben nach der Heiligen Schrift und versuchen sie umzusetzen! «

Abt Notker Wolf OSB, der Abtprimas der Benediktiner in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin »idea« vom 10.9.2008