Bei der Versuchung Jesu zeigt der Teufel Jesus alle Reiche der Erde und sagt: »All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will.« (Luk 4,6) Gehört die weltliche Herrschaft tatsächlich dem Teufel? Was bedeutet das für christliche Laien, die sich in der Welt, vor allem in der Politik engagieren wollen? Und wie ist dieser Vers mit dem Satz aus dem Römerbrief »es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt« (Röm 13,1), vereinbar?

 

Zunächst einmal das Wichtigste: Dem Teufel gehört gar nichts. Vielmehr ist und bleibt Gott immer der Herr und Besitzer aller Dinge.

 

Bei Aussagen des Teufels ist immer(!) zu bedenken, daß er der »Lügner von Anfang an« ist. Daß er sich dabei wichtig macht und gerne an der Stelle Gottes stehen würde, macht gerade die oben erwähnte Versuchungsgeschichte deutlich.

Allerdings gilt auch: Die gefährlichste Lüge ist diejenige, die Teilwahrheiten enthält und darum nicht so schnell als Lüge erkannt wird. So ist es auch bei dieser Aussage des Versuchers. Er wird nämlich tatsächlich in der Heiligen Schrift gelegentlich als »Herr der Welt« bezeichnet. Dies ist aber immer so gemeint, daß die »gefallene« Welt durch die Sünde in einem gewissen Maße von Gott getrennt wurde, also gottfern oder sogar gottlos geworden ist und in diesem Sinne − ähnlich wie die Hölle − zum »Reich Satans« geworden ist.

Das aber bedeutet nicht, daß die Welt oder ihre Reiche ihm tatsächlich gehören. Vielmehr hat er als »Dieb« hier gewisse Möglichkeiten, die der Mensch ihm eben − leider − einräumt. In diesem Sinne könnte man also die Aussage des Teufels so verstehen: Ich habe mir in dieser Welt (die ja natürlich Gott schon gehört) viel herausgenommen und viel kaputt gemacht. Das will ich Dir kampflos zurückgeben, wenn Du mich anbetest.

Natürlich weiß jeder von uns, daß das ja schon wieder eine dicke Lüge ist, denn erstens würde der Teufel sein Versprechen niemals halten (wie bekanntlich immer bei seinen verlockenden Versuchungen!) und zweitens würde die Welt ja gerade durch die Sünde des Erlösers dem Teufel ausgeliefert sein.

 

Nun aber zu der letzten und eigentlichen Frage: Aus dem schon gesagten wird klar, daß mit »Herrschaft« in der Bibelstelle nicht die politischen Systeme oder deren Herrscher gemeint sind (unbeschadet der Tatsache, daß es hier leider so manches gibt, was nicht nach dem Willen Gottes, sondern nach dem des Widersachers geschieht).

Also ist es kein Problem, sich in der Politik zu engagieren, vielmehr ist es sogar grundsätzlich christliche Pflicht dies − je nach persönlichen Möglichkeiten − zu tun.

Man könnte höchstens hinzufügen, daß es wegen des satanischen Wirkens in der Welt (besonders dort, wo Entscheidendes geschieht) einer besonderen Wachsamkeit bedarf, damit man nicht am Ende selbst in Falsches hineingezogen wird. Das aber gilt nicht nur in der Politik, sondern in allen Lebensbereichen.

(Pfr. Elmar Stabel)

 

"Der Durchblick" Nr. 73, Januar 2011


 
 

Zitat des Moments

»Ich schäme mich für uns deutsche Katholiken, wie wir den Papst behandeln.«

Joachim Kardinal Meisner, Interview mit KNA, 14.04.2010.