Bei dieser Frage gibt es zwei Antworten, je nach dem, wonach man genau fragt. Geht es nämlich um die Frage, was »Spiritualität« tatsächlich vom Wortsinn und auch in »kirchlicher Sprache« bedeutet, ist die Antwort relativ leicht zu geben: Wörtlich genommen geht es dabei um das, was den Geist (spiritus) betrifft.

Insbesondere meint dieses Wort im christlichen Sinne all das, was dem menschlichen Geist hilft, wach und stark zu werden und dem Geist Gottes näher zu kommen. Hierzu gehören alle Formen des Gebetes, die Betrachtung der Wahrheiten, die Gott uns geoffenbart hat, und die Formung des bewußten Willens.

Wenn man also in diesem Sinne »mehr Spiritualität« fordert, dann geht es darum, sich nicht den materiellen und oberflächlichen Dingen zuzuwenden, sondern eben einer geistigen Vertiefung.

Eine solche Spiritualität macht uns Gott ähnlicher und damit im ursprünglichen Sinne menschlicher. Denn der Mensch soll Gottes Ebenbild sein. »Gott aber ist Geist und will in Geist und Wahrheit angebetet werden.« (Joh 4,24)

 

Wenn man aber statt dessen wissen will, was »man« heutzutage meint, wenn dieses Wort bei allen möglichen Gelegenheiten fleißig gebraucht wird, dann ist eine klare Antwort eigentlich unmöglich. Es wird sogar verwendet (bzw. mißbraucht) für fernöstliche Meditationen (die im buddhistischen Sinne bekanntlich ja gerade geistabtötend wirken sollen) oder für eine Auszeit im Gästetrakt eines Klosters.

Meist soll jedoch immerhin ausgedrückt werden, daß »es da noch mehr gibt« als Geld und Konsum, und daß man dem nachgehen will. Diese Bedeutung hat eine gewisse Ähnlichkeit zu dem obigen Sinn, bleibt aber doch sehr ungenau, oberflächlich und »offen« für persönliche Vorstellungen.

 

Hilfreich ist es – sofern dies möglich ist –, einfach mal nachzufragen, was unser Gegenüber mit diesem Wort denn eigentlich genau meint. Dann bekommt man entweder eine brauchbare Antwort, oder eben auch nicht. Dann wissen wir wenigstens, ob wir es mit etwas Bedenkenswertem zu tun haben.

(Pfr. Elmar Stabel)

 

"Der Durchblick" Nr. 74, März 2011


 
 

Zitat des Moments

»Wenn die Messe fällt, so liegt das Papsttum.«

Martin Luther in den Schmalkaldischen Artikeln, 1537