Wozu braucht es Heilungsgebet, Befreiungsgebet, Krankensalbung usw.? Wenn wir Jesus in der Kommunion leibhaftig aufnehmen, dann ist er doch in uns, und das Maximum ist dann erfüllt. Was kann da sonst noch auf eine andere Weise kommen, was durch die Kommunion nicht kommt?

 

Tatsache ist, daß Jesus nur einmal in seinem Leben sein Opfermahl gefeiert und dabei die Kommunion gespendet hat. Daneben hat er häufig gebetet und seine Jünger zum Gebet (durchaus auch außerhalb der Eucharistiefeier) angeleitet. Er hat häufig Kranke geheilt, Dämonen ausgetrieben und die mit ihm zusammenarbeitenden Jünger beauftragt, dasselbe zu tun (z. B. Mt 10, 8).

 

Nach seiner Auferstehung (und damit auch nach der Einsetzung der Eucharistie) hat er den Taufbefehl gegeben (Mt 28, 19). Durch die Übertragung der Binde- und Lösegewalt (Mt 18, 18) und sein Wort über die Sündenvergebungsvollmacht (Joh 20, 22) hat er den Grund gelegt für die Entstehung des Bußsakramentes.

 

Von daher wird deutlich, daß die Eucharistie als das höchste aller Sakramente keineswegs als der einzige Vorgang unseres Lebens mit Gott gedacht ist.

Sie soll vielmehr eingefaßt sein in eine Gesamtheit von weiteren Sakramenten und anderen heiligen Handlungen, die zu ihr hinführen (wie Taufe und Bußsakrament) oder in besonderer Weise bestimmten Lebenssituationen von Christen entsprechen (wie Krankensalbung, Exorzismus, Gebet um Befreiung oder um Heilung).

Alle diese Vorgänge aber fließen aus dem einen Opfer Jesu Christi am Kreuz heraus – und damit auch aus der Eucharistiefeier, in der dieses eine Opfer immer wieder gegenwärtig wird.

(Pfr. Dr. François Reckinger)

 

"Der Durchblick" Nr. 76, Juli 2011


 
 

Zitat des Moments

»Die Kirche [...] kann nicht auf eine einfache Sozialagentur reduziert werden, wo der Dienst am Nächsten nur aus beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen heraus oder von allgemeinen humanitären Prinzipien her motiviert ist. Die Kirche ist die Gemeinschaft derer, die die Quelle der Liebe erkennen, die sie zu handeln drängt, nicht aus sich selbst heraus, sondern in Gott.«

Aus einem Kommentar des Erzbischofs von Chieti-Vasto, Bruno Forte, auf die Forderung, die Kirche solle ihren völkerrechtlichen Sonderstatus aufgeben; zitiert von »Radio Vatikan« am 18.08.2007