Wem kann man es verübeln, wenn er keine Achtung vor der Theologie hat? Bekanntlich lehren uns viele Theologen, Jesu jungfräuliche Empfängnis, Wunder und Auferstehung seien unhistorisch, die Dogmen unzeitgemäß, die Gebote unzumutbar und die Ansprüche der Hierarchie anmaßend und lieblos. Eine Wissenschaft, die ihre eigenen Grundlagen bestreitet, nimmt niemand ernst.

 

Aber ist Theologie überhaupt eine Wissenschaft? Wenn man darunter die systematische Erforschung eines bestimmten Gebietes unter der Voraussetzung bestimmter Prinzipien versteht, dann ist Theologie Wissenschaft: »Glaubenswissenschaft«. Sie erforscht ja die göttliche Offenbarung anhand der Quellen, nämlich der Bibel und ihrer Erklärung durch die kirchliche Überlieferung.

Dabei stammt das Licht, in dem diese Wahrheiten betrachtet werden, nicht vom Theologen selbst, sondern von Gott: das »Licht des Glaubens«. Daher waren und sind die wirklich großen Theologen zumeist heilige Menschen mit hohem Anteil an diesem Licht. Hingegen wird aus der heiligen Gotteswissenschaft allzu schnell ein leeres, gefährliches Geschwätz, sobald der Glaube schwindet...

(P. Bernward Deneke)

 

"Der Durchblick" Nr. 79, Januar 2012


 
 

Zitat des Moments

»Seien wir ehrlich: die Fähigkeit, Berufungen zum Priesteramt und zum Ordensleben zu fördern, ist ein sicheres Zeichen der Stärke einer Ortskirche. [...] Programme, Pläne und Projekte haben ihren Platz, aber das Erkennen einer Berufung ist vor allem Frucht des innigen Dialogs zwischen dem Herrn und seinen Jüngern.«

Papst Benedikt XVI. an die Bischöfe der USA in Washington am 16.4.2008