Eine weitverbreitete Ausgabe des Neuen Testaments trägt den Titel »Die Gute Nachricht«. Er soll den Wortsinn und die eigentliche Bedeutung von Evangelium (eu-angelion) wiedergeben.

Tatsächlich kann man so übersetzen. Papst Benedikt XVI. erinnert uns aber daran, daß es beim Evangelium um eine andere Größenordnung geht: Das Wort stand im römischen Reich für kaiserliche Botschaften. Weil sich die Kaiser als Herren der Welt, als deren Retter und Erlöser betrachteten, war alles, was von ihnen ausging, Heilsbotschaft für die Welt, ob es nun erfreulichen oder strengen Inhalts war.

Somit bringt die Bezeichnung Evangelium für die Bücher des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes einen gewaltigen Anspruch zum Ausdruck: Hier ergeht die Kunde des höchsten Herrn der Welt, des Retters und Erlösers! Das Leben Jesu, das uns die Evangelien schildern, ist eine Rede Gottes in die Welt hinein; eine ernste und zugleich beglückende Botschaft, die wir um unseres Heiles willen gehorsam annehmen und in unserem Leben ausprägen sollen.

Ob auf diesem Hintergrund die Übertragung »Gute Nachricht« nicht doch etwas schwach ist?

(P. Bernward Deneke)

 

„Der Durchblick“ Nr. 64, Juli 2009

 


 
 

Zitat des Moments

»Gläubige bleiben der Gemeinde fern, schreibt Ihr [...], wenn sie sich nicht ›an der Leitung ihrer Gemeinde beteiligen‹ dürfen. Woher wißt Ihr das? Kommt der Katholik zur Messe, weil er leiten will? Ist das der Inhalt der Liturgie: Einübung in Leitungskompetenz?«

Alexander Kissler, Kulturjournalist, in einem Offenen Brief an die Unterzeichner des Theologen-Memorandums, 7.02.2011.