Was sich nicht alles »Glaube« nennt! Vermutungen wie: »Es wird, so glaube ich, regnen.« Oder gefühlvolle Bekenntnisse: »Ich glaube an den VfB!«

Dabei sollte doch klar sein, was das Wort besagt: jemandem etwas glauben. Wer glaubt, hält etwas nicht aufgrund eigener Einsicht für wahr, sondern weil die Person, die es bezeugt, ihm für vertrauenswürdig gilt. Ein beträchtlicher Teil unserer irdischen Existenz gründet auf Glauben, nicht auf Wissen. Vom Kind, das sich den Eltern anvertraut und von ihnen lernt, bis zum Sterbenden, der die Auskünfte des Arztes für wahr hält, prägt der Glaube das Menschenleben.

Und der religiöse Glaube? Er ist die Zustimmung zu alledem, was Gott uns in Seinem Sohn und durch die Kirche über Sein Wesen, Seinen Willen und Seine Werke kundtut. Er hat Seine Offenbarung vielfach beglaubigt. Wer sich ihr öffnet, dem flößt Gott durch die Glaubensgnade ein tiefes Vertrauen ein zu Ihm, der ja weder sich noch uns täuschen kann.

Der Glaube taucht alles ein in das untrügliche Licht der göttlichen Wahrheit. Ist das der Grund dafür, daß viele lieber an ihren eigenen Ideen hängen, als glauben?

(P. Bernward Deneke)

 

„Der Durchblick“ Nr. 66, November 2009


 
 

Zitat des Moments

»Gott verlangt nicht die Unterwerfung des Verstandes, sondern eine verständige Unterwerfung.«

Der kolumbianische Philosoph Nicolás Gómez Dávila