»Tu solus sanctus – Du allein bist der Heilige«, heißt es im Gloria der Messe. Dennoch verehrt die Kirche eine große Anzahl von »Heiligen«. Gott selbst verlangt von uns: »Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.« (Lev 19,1) Und Paulus redet in seinen Briefen die Christen allgemein als »Heilige« an. Wie verträgt sich das mit dem »Tu solus sanctus«?

Heiligkeit ist nicht eine Eigenschaft Gottes unter anderen, sondern geradezu die »Kennzeichnung des göttlichen Seins und Wesens selbst« (Kard. Scheffczyk). Daher kann tatsächlich kein anderes Wesen aus sich und für sich »Heiligkeit« beanspruchen. Aber die christliche Offenbarung zeigt uns einen mitteilsamen Gott, der die Fülle Seines Lebens nicht für sich behält. Dem Menschen, den Er nach Seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat (Gen 1,26), schenkt Er in der Wiedergeburt aus Wasser und Heiligem Geist (Joh 3,5) Anteil an Seiner eigenen, göttlichen Natur (2 Petr 1,4) – also an Seiner Heiligkeit!

Folglich bedeutet Heiligkeit eines Menschen: Teilnahme an der Heiligkeit Gottes. Dieser bleibt der Allein-Heilige, und doch gibt es durch Ihn und in Ihm viele Heilige.

(P. Bernward Deneke)

 

„Der Durchblick“ Nr. 67, Januar 2010


 
 

Zitat des Moments

»Es wäre verkehrt, gegen den christlichen Glauben und eitle Anmaßung der Kreatur, wollten wir meinen, daß alle Menschen gerettet werden. Wenn der Herr uns in seinen Gerichtsreden als möglichen Ausgang unseres Daseins immer ein doppeltes Los vor Augen stellt, dann sind wir eindeutig verpflichtet, mit dieser doppelten Möglichkeit zu rechnen. Wir haben unser Heil in Furcht und Zittern zu wirken und Gott sein Geheimnis zu lassen.«

Der Theologe Karl Rahner (in »Schriften zur Theologie«.)