In der traditionellen römischen Meßliturgie wird während des Glaubensbekenntnis und des sog. Schlußevangeliums (Joh 1,1ff) jeweils eine Kniebeuge gemacht, und zwar zu den Worten »Et incarnatus est« (»Hat Fleisch angenommen«) bzw. »Et Verbum caro factum est« (»Und das Wort ist Fleisch geworden«). Damit will die Kirche die Wichtigkeit und Heiligkeit der Menschwerdung unterstreichen.

Die Inkarnation! Tatsächlich steht sie im Zentrum unseres Glaubens. Die Tatsache, daß Gott wahrhaft ein Mensch geworden ist, ist das Unterscheidend-Christliche. Daher besteht der 1. Johannesbrief darauf, nur ein Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, könne aus Gott sein (4,2f).

Immer wieder hat die Gefahr einer falschen Spiritualisierung bestanden: Der leibhafte Jesus wird in einen Mythos oder eine Idee aufgelöst, und man kann dann auch für die »Ausdehnung« Seiner Inkarnation in der sichtbaren Kirche mit ihrer konkreten Erscheinung und ihren sinnenhaften Gnadenmitteln kein Verständnis aufbringen. Auf diesem Hintergrund verstehen wir die Bedeutung der Kniebeugen. Auch – und gerade – für unsere Zeit.

(P. Bernward Deneke)

 

„Der Durchblick“ Nr. 68, März 2010

 


 
 

Zitat des Moments

»Wir müssen begreifen, daß orthodoxe und katholische Gläubige nicht länger Rivalen sind. Wir sind Verbündete. Diese Rivalität muß ein für allemal aufhören.«

Der russisch-orthodoxe Bischof von Wien und Österreich Hilarion Alfeyev in einem Interview, zitiert vom Nachrichtenportal »kath.net« am 24.4.2008