Was versteht man unter Ökumene? Die gängige Antwort lautet: Sie ist das Bemühen um Wiedervereinigung der getrennten Christen. Demnach wäre Ökumene ein Soll-Zustand, der noch der Verwirklichung harrt. Strenggenommen handelt diese Auskunft jedoch vom Ökumenismus, nicht von der Ökumene. Denn diese bedeutet ursprünglich den Ist-Zustand der einen und einzigen Kirche Jesu Christi.

Sprach man in der frühen Christenheit von Ökumene, so meinte man nicht die Einigung von Getrennten, sondern die bereits bestehende Einheit der Kirche, die sich über den »bewohnten Erdkreis» (griech. oikouméne) erstreckt. Noch heute nennt man daher Kirchenversammlungen des Weltepiskopates »Ökumenische Konzilien». Das alte Verständnis von Ökumene deckt sich somit in vieler Hinsicht mit dem Begriff »katholisch».

Aus der bereits bestehenden Ökumene ergibt sich dann freilich auch das Bemühen um Vereinigung der getrennten Christen, »daß sie eins seien» (Joh 17,11). Die bereits bestehende Ökumene soll eben wirklich alle diejenigen umfassen, die Jesus Christus angehören wollen.

(P. Bernward Deneke)

 

„Der Durchblick“ Nr. 74, März 2011

 


 
 

Zitat des Moments

»Ich liebe das Wort: ›Wer nicht genießt, wird ungenießbar.‹ Wenn Genuß aber zur Sucht wird, zerstört er den Menschen. Unser moderner Trugschluß besteht darin, zu glauben, man müßte in der kurzen Zeit des eigenen Lebens alles auskosten, getrieben von der Angst, daß danach oder darüber hinaus nichts mehr kommt. Das ist die Rechnung ohne Gott.«

Joachim Kardinal Meißner im Interview-Buch »Die Fürstin und der Kardinal«