Es gibt drei klassische Schriftstellen zum Papsttum: die Verheißung in Mt 16,18, die Einsetzung in Joh 21,15ff und die Unfehlbarkeit in Lk 22,32. Als der evangelische Pfarrer Richard Baumann in den fünfziger Jahren die erste Stelle studierte, kam er zu Erkenntnissen, die ihm sein Amt kosteten und ihn schließlich in die katholische Kirche führten.

Die evangelische Theologie hat immer wieder versucht, jene Stellen zu entkräften, mit Argumenten, die einander ausschlossen. Der gemeinsame Nenner war die Ablehnung des Papsttums, die Folge eine Bibelauslegung, die jene Stellen zur Bedeutungslosigkeit verurteilte. Die so feierlichen Worte, die Jesus an Petrus richtete, wurden zur Farce. Nur ein Kirchenbild, in dem sich jene Worte niederschlagen, kann biblisch sein. Nur eine Papstkirche kann die Kirche Christi sein.

Heute wird die katholische Kirche von gläubigen Protestanten wegen ihrer medienwirksamen Repräsentanz durch den Papst beneidet. Während der Protestantismus heillos zerfasert ist, wird die Kirche vom Papst zu einer gewaltigen Einheit zusammengehalten.

(P. Engelbert Recktenwald)

 

„Der Durchblick“ Nr. 52, Juli 2007

 


 
 

Zitat des Moments

»Offensichtlich kommt ein Kirchenoberhaupt schlecht an, das sich nicht dauernd dafür entschuldigt, daß der Katholizismus [...] nicht allen politischen und gesellschaftlichen Modeströmungen hinterherläuft.«

Chefredakteur Roger Köppel in der »Weltwoche« 13/10.