Die katholische Lehre von den übernatürlichen Verdiensten besagt nicht, daß der Mensch die Rechtfertigung, durch welche er erst in die Gnade Gottes kommt, verdienen könne. Wir sind ohne Verdienst (»gratis«, vgl. Röm 3,24) gerechtfertigt. Vielmehr wird sie uns geschenkt kraft des Verdienstes Jesu Christi, ohne eigenen Anspruch, rein aus göttlicher Huld.

Wohl aber bewirkt die Gnade, daß die guten Werke des Gerechtfertigten verdienstlich sind. Denn Gottes Güte ist so groß, daß er seine Geschenke in ihm zu dessen eigenen Verdiensten werden läßt. Die guten Werke vermehren die Gnade und die himmlische Seligkeit. In diesem Sinne kann der hl. Jakobus schreiben, daß der Mensch »aus Werken gerechtfertigt« werde (2, 24), und Christus spricht an vielen Stellen von der himmlischen Seligkeit als von dem Lohn für unsere We

rke. Das Verdienst richtet sich nach der Liebe. Je größer die Liebe ist, aus der wir die guten Werke tun, desto mehr werden wir hier geheiligt und im Himmel beseligt. Deshalb ist die Übung der Guten Meinung so wichtig, durch welche wir die Gesinnung der reinen Liebe in all unserem Tun erwecken.

(P. Engelbert Recktenwald)

 

„Der Durchblick“ Nr. 57, Mai 2008

 


 
 

Zitat des Moments

»Ich habe Angst vor einem Christentum, das Gottes Forderungen an die menschliche Schwäche anpaßt, anstatt mit einem reumütigen Herzen täglich versucht, aus der Sünde aufzustehen.«

Pater Werenfried van Straaten, Gründer des internationalen Hilfwerks »Kirche in Not«