Die Quelle, aus der das lebenspendende Wasser fließt, war schon immer ein religiöses Symbol. Wer denkt hier nicht an die Paradiesesströme (Gen 2,11), an die Tempelquelle des Ezechiel (47,1 ff.), an den von Jesus verheißenen Quell lebendigen Wassers in uns (Joh 4,14), an Blut und Wasser aus der Seite des Gekreuzigten (Joh 19,34) oder an die Lebensquelle, die im himmlischen Jerusalem vom Thron Gottes und vom Lamm ausgeht (Offb 22,1 f.)? Das Opfer Christi, gegenwärtig in der Heiligen Messe, ist unsere Tempelquelle; inmitten der Kirche entströmt ihr das Wasser des Heiles, um sich durch die Kanäle der Sakramente in die Seelen zu ergießen.

In der Theologie findet das Bild der Quelle zudem Verwendung im Zusammenhang mit der Offenbarung, die der Kirche anvertraut ist und ihren schriftlichen Niederschlag in der Bibel gefunden hat. Schrift und Tradition sind dabei nicht zwei getrennte Quellen, sondern spenden das eine Lebenswasser aus, das dem ewigen Wort entstammt. Daher bedeutet der Ruf »Ad fontes (Zu den Quellen)« letztlich immer »Ad fontem«: Hin zu der Quelle, die Jesus Christus selbst ist!

(P. Bernward Deneke)

 

"Der Durchblick" Nr. 76, Juli 2011


 
 

Zitat des Moments

»Die Tyrannei kommt ohne Glauben aus, die Freiheit nicht.«

Der französische Schriftsteller und Politiker Alexis de Tocqueville (1805-1859)